Home Gold & Silber in künstlerischer Verwendung Wertvolle Gegenstände

Andere wertvolle Gegenstände

LeuchterLeuchter. Paris. 0,27 hoch

An Stelle derartiger Prachtmöbel, bei denen das Metall eine schmückende Zutat bildet, setzen sich am Ende des 17. Jahrhunderts silberne Zimmerausstattungen ganz ohne Holzgerüst oder doch unter völliger Bedeckung desselben. Zunächst werden diejenigen Einrichtungsgegenstände, welche man früher vorzugsweise von Bronze oder Messing fertigte, in Silber hergestellt, Armleuchter, Wandleuchter, Kronleuchter, Hängelampen, die Balustrade im Schlafzimmer Friedrichs II. im Stadtschloss zu Potsdam. Auch hierbei herrscht die Absicht, Silbermassen aufzuhäufen. Das Berliner Schloss besaß 64 Wandleuchter, von denen jeder aufgesetzt war auf eine zentnerschwere Anschlage-Platte, sogenannte Blaker. Kamingarnituren aus Silber werden schon im Inventar Mazarins 1661 erwähnt und waren ebenfalls in Berlin vorhanden. Für Versailles wurden kolossale Massen von Ausstattungsstücken aus massivem Silber gefertigt; im Schloss zu Berlin waren nicht nur der Thron, sondern dutzende von Tischen und Stühlen ganz von Silber, dazu das im 17. Jahrhundert neu geschaffene Möbel, der Gueridon, ein Ständer zur Aufnahme von Kandelabern, ferner die Spiegel mit großen figuralen Aufsätzen aus massivem Silber. Im Rittersaale des Berliner Schlosses sogar das große Orchester für die Musikanten, angefertigt von Lieberkühn 1739, bereits wieder eingeschmolzen 1744. Von diesem Mobiliar haben sich im Schloss in Berlin nur zwei, jetzt als Thronsessel gebrauchte Stühle. Im Kunstgewerbe-Museum ein Kaminschirm, Arbeit von Christian Lieberkühn dem Jüngeren, mit Namenszug der Prinzessin Sophie Dorothea Marie, Tochter Friedrich Wilhelms I., vermählt mit Friedrich Wilhelm Markgraf von Brandenburg-Schwedt. In Dresden eine etwas größere Zahl von Tischen, Ofenschirmen und Leuchter-Ständern, in Moskau die völlige Einrichtung eines Zimmers: Sehr reiches, wie es scheint, vollständiges Mobiliar aus hannoverschem Besitz beim Herzog von Cumberland, alle diese Stücke aus schwerem Silberblech getrieben im Barockstil und alle von Augsburger Arbeit. Silberne Möbel sind in der Rokoko-Periode nicht mehr häufig, einiges aus der Zeit Friedrichs II. im Stadtschloss zu Potsdam, aber in Bronzeform und Verbindung mit Holz. Die Uhren sind in dieser Zeit nicht so bevorzugt als in der vorangehenden Periode. Das Vergnügen an mechanischen Spielereien hat abgenommen, an Stelle des Silberarbeiters schafft der Tischler und Bronzearbeiter große dekorative Gehäuse. Die an der Wand aufgehängten Uhren erhalten im 17. Jahrhundert eine breite Deckplatte aus flach getriebenem Silber, im 18. Jahrhundert reiches, plastisches Figuren-Werk, meist in Bronze.

Silberner Thronsessel
Silberner Thronsessel. Kgl. Schloß. Um 1700. 1,03 hoch

Der Silberluxus erstreckt sich ferner auf das Gerät symbolischen Charakters: In Leipzig und Königsberg die Zepter der Universitäten, in England die großen Zepter der Korporationen, welche bei Umzügen vorangetragen werden, in allen Ländern Ausstattungen der Wagen und des Pferde-Zeugs, als Besonderheit die silbernen Zunftschilder für die Leichenwagen, ferner die Trompeten und Pauken der fürstlichen Kapellen, schließlich für die Leibgarde silberne Helme und Panzer, von denen die durch Napoleon I. angeschafften, jetzt in den Besitz der preußischen Garde du Corps übergegangenen silbernen Panzer wohl die letzten Ausläufer sein mögen.

Silberner Kaminschirm.
Silberner Kaminschirm. Um 1750. 1,78 hoch.

Die erheblichste Einbuße erlitt die Silberarbeit, wie im 17. Jahrhundert durch das Glas, im 18. Jahrhundert durch das Porzellan. Meißen beginnt 1710 und ist 175o leistungsfähig für größten Bedarf. Die Vorliebe für schweres Silber, welches man nach Bedarf einschmelzen konnte, hatte einen starken Stoß erlitten, als durch die Ateliers Ludwigs XIV. eine künstlerische Bildung verlangt wurde, deren Kosten den Silberwert erheblich übertrafen. Bei dem neu erfundenen europäischen Porzellan bezahlte man nur den Kunstwert und brauchte kein Einschmelzen zu befürchten. Das Gebrauchsgeschirr wird Porzellan, alles Gerät für Tee und Kaffee, für die Tafel, mit Einschluss der Körbe, Aufsätze und Figuren, ferner die Ziervasen, die Leuchter, die Uhren-Körper und selbst Möbelbeschläge und Wagenausstattung. Das Porzellan übernimmt vielfach die Modelle der Silberarbeit, welche uns auf diese Weise erhalten sind. Die kleinen Kostbarkeiten erhalten in dieser Zeit eine besonders reiche Ausbildung: Das Luxusbedürfnis der Höfe steigert nicht nur den Wert der nun vorwiegend aus Edelsteinen gebildeten Schmuckstücke, sondern stattet auch das Kleingerät für den persönlichen Bedarf höchst kostbar in Juwelierarbeit aus. Die Dosen für den im Anfang des 18. Jahrhunderts aufkommenden Schnupftabak stehen in erster Reihe. Man schneidet sie aus Halbedelsteinen, fasst sie in Gold und fügt in den Deckel Bilder auf Email gemalt, Namenszüge und Ränder aus Edelsteinen. Die ganze Mannigfaltigkeit persönlicher und politischer Beziehungen, für welche die Renaissance den Pokal ausgestaltet, wiederholt sich jetzt auf den Dosen, welche Männer und Frauen gleichmäßig führen. Aber nicht nur benutzbare Stücke wie die Dosen, die Stockgriffe und ähnliches werden gebildet, sondern kleine Ziergeräte ohne Gebrauchszweck, winzige Kannen und Schalen, kleine Figuren von Zwergen und Bettlern aus monströsen Perlen, und alles dies fällt mehr dem Juwelier als dem Goldschmied zu. Der Hauptmeister in diesen Dingen ist Johann Melchior Dinglinger, 1664-1731 in Dresden, wo er seit etwa 1694 für den Hof Augusts des Starken und seiner Nachfolger beschäftigt war, und wo sich im Grünen Gewölbe vieles von seinen Arbeiten erhalten hat. Das am meisten bewunderte Stück hiervon ist ein großer Tafelaufsatz mit Scharen von winzigen, aus Schmelz und Edelsteinen gebildeten Figuren, ein Fest des Großmoguls darstellend. Von demselben Meister ein Teegeschirr in Gold und Rubinen. Sein Nachfolger, aber in bescheidenerer Zeit und schlichteren Formen, Joh. Christ. Neuber. In Berlin sind herrliche Dosen aus schlesischen Steinen in künstlerisch vollendeter Fassung aus der Zeit Friedrichs II. im Kronschatz und im Schloss Monbijou.