Home Studium der Numismatik Brakteaten

Die Brakteaten

Unter Brakteaten versteht man eine eigentümliche, hauptsächlich in Deutschland vorkommende Gattung von Münzen des Mittelalters, welche aus dünnem Silberblech, unter Anwendung nur eines Stempels, geschlagen sind und bei welchen daher das Bild der Vorderseite auf der Kehrseite vertieft erscheint. Sie sind nicht zu verwechseln mit den weit älteren Goldbrakteaten, welche in Schweden und Norwegen, Dänemark und bisweilen auch im nördlichen Deutschland gefunden werden. Letztere sind zwar auf dieselbe Weise wie unsere Brakteaten angefertigt, rühren aber aus einer weit früheren Zeit her, als diese (vom fünften bis siebenten Jahrhundert). Sie tragen zum Teil Runenschrift und haben erwiesener Massen als Schmuckgegenstände, namentlich zur Verzierung der Ketten, Hals- und Armringe gedient. Auch gehören hierher nicht die kleinen Hohlpfennige der späteren Zeit, denn während die Brakteaten, von welchen wir jetzt handeln wollen, eine Münzeinheit bildeten und in den betreffenden Ländern an die Stelle der unmittelbar vorher gangbaren Denare traten, waren jene Hohlpfennige Teile des später aufkommenden Groschens, welche nur der Bequemlichkeit wegen nach Art der Brakteaten, also einseitig unter Anwendung ganz dünner Schrötlinge geprägt wurden. Auch ist bei den Hohlpfennigen der Stempelschnitt von abweichendem, einer späteren Zeit angehörendem Charakter und das Silber durchgängig weit geringwertiger, zuletzt so stark mit Kupfer legiert, dass sie kaum noch als Silbermünzen angesehen werden können.

Der Ursprung des Namens „Brakteat“

Der Name Brakteat, welchen die jetzt zu besprechenden Münzen übrigens erst später, nämlich als sie Gegenstand der Münzforschung wurden, erhalten haben, wird von dem lateinischen Worte „Bractea“ (aus dem Griechischen: knistern, rauschen) abgeleitet. „Bractea“ bedeutet alles sehr Dünne und Schwache, dünnes Blech, insbesondere das Blatt oder Blättchen von Gold oder auch von anderem Metall. „Liracteatus“ ist das Participium von bracteo, bracteare, mit Blech, insbesondere Goldblech überziehen, vergolden; Brakteatus (sc. numus) bedeutet also eigentlich eine mit dünnem Blech, insbesondere Goldblech überzogene, das ist plattierte Münze. Die Benennung „Brakteat“ ist hiernach sprachlich keineswegs richtig und würde nach Grote durch „numus bractealis“, „Bracteal", besser ersetzt werden. Tatsächlich wurden auch die Brakteaten früher häufig Blechmünzen genannt, ferner Hohlmünzen (numi cavz), Blätterlinge, Schüsselmünzen (von ihrer zum Teil schüssel-förmigen Gestalt) und Pfaffenmünzen (nach den auf ihnen häufig vorkommenden Brustbildern von Bischöfen und andern Kirchenfürsten). Im Mittelalter selbst gab es keinen bestimmten Namen für diese Münzgattung, welche, wie bereits erwähnt, nur die bisher gangbaren Denare ersetzte und von letzteren sich ursprünglich weder durch das Gewicht, noch durch den Wert, sondern nur durch ihre Form und die Art der Herstellung unterschied. Sie kursierten vielmehr unter dem allgemeinen Namen Pfennige (Pfentink, Pfending, Pfending, Pfenning), eine Benennung, welche man im Mittelalter lange Zeit hindurch fast jeder Münze beilegte und nur durch den Zusatz breite, große, dicke, goldene usw. näher präzisierte. Auf den wenigen erhaltenen Stücken, auf welchen die Brakteaten durch die Aufschrift als Geldstücke kenntlich gemacht sind, findet sich nur die Bezeichnung numus, moneta oder denarius.

Die ersten Brakteaten

Über die Zeit des Beginns der Brakteatenprägung haben, da die Brakteaten zum großen Teil stumm, das ist schriftlos sind, früher sehr verschiedene Ansichten geherrscht. Man legte dieselbe vielfach bis in das Zeitalter Ottos 1., also in das zehnte Jahrhundert zurück. Es steht indessen jetzt fest, dass eigentliche Brakteaten nicht vor der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts geprägt wurden, und zwar sind die ersten in Magdeburg, Halberstadt, Goslar, Erfurt, Saalfeld, Nordhausen und andern thüringischen Städten geschlagen worden. Die Periode der Brakteaten umfasst über zwei Jahrhunderte, reicht also bis in die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, wo die gedachten Münzen wieder durch den Groschen verdrängt wurden. Die Brakteatenprägung verbreitete sich bald über die Markgrafschaft Meißen, die Lausitz, Anhalt, Brandenburg, Braunschweig, überhaupt durch ganz Ober- und Niedersachsen. Dann finden wir sie in Schlesien, in den Hansestädten an der Nord- und Ostsee, in Holstein, Mecklenburg, Pommern und selbst in Preußen unter der Herrschaft des Deutschen Ritterordens, doch weichen die dort, wie überhaupt die in den Küstenländern der Ostsee geprägten Brakteaten von denjenigen Mitteldeutschlands insofern ab, als sie durchgängig von geringerer Größe sind. Im Westen drang die Brakteatenprägung nur bis Hessen vor (in Westfalen und am Rhein blieb man bei den alten Denaren), dagegen wurde sie im südwestlichen Deutschland und in der nördlichen Schweiz allgemein gebräuchlich. Die im Südwesten geprägten Brakteaten unterscheiden sich indessen, wie wir später sehen werden, in Form und Typus ebenfalls von den mitteldeutschen Brakteaten. Außerhalb Deutschlands wurden ferner noch in Ungarn, Böhmen, Polen und Skandinavien Brakteaten geprägt, jedoch in minder erheblichem Umfange. Da die Brakteaten für den Gebrauch des gewöhnlichen Lebens wenig geeignet waren, so bezweifelte man früher, dass sie überhaupt als Kurantmünze gedient hätten und hielt sie vielfach für Schau- und Denkmünzen. Diese Ansicht ist indessen, und zwar zuerst von Mader, gründlich widerlegt worden. Von den Beweisen, welche dieser für die Münzkunde des Mittelalters bahnbrechende Forscher für das Irrige derselben anführt, sei nur erwähnt, dass in denjenigen Ländern, in welchen früher Denare, dann aber Brakteaten geschlagen wurden, aus der Zeit der Brakteatenprägung fast niemals andere Münzen vorhanden sind und dass die Brakteaten, wie bereits oben erwähnt, bisweilen die Aufschrift numus, moneta, denarius tragen.

Brakteaten wurden absichtlich zerschnitten

Ferner kommen in den Münzfunden unter ganzen und unversehrten Brakteaten häufig genaue Hälften derselben vor, welche man durch absichtliches Zerschneiden der ganzen Stücke mittels eines scharfen Instruments hergestellt hat. Diese Hälften können zweifellos keinen andern Zweck gehabt haben, als den, für den kleinen Verkehr eine Art Scheidemünze zu schaffen oder beim Wiegen einer größeren Menge Brakteaten das verlangte Gewicht genau zu erhalten. Wenn man sich hiernach der Brakteaten trotz ihrer Unzweckmäßigkeit und Zerbrechlichkeit lange Zeit als einer Kurantmünze bedienen konnte, so erklärt sich dies daraus, dass man sie bei Großzahlungen lediglich nach dem Gewichte, also nach Pfunden oder Mark Silbers rechnete, sowie aus dem Umstand, dass, wie wir später sehen werden, die Umlaufszeit des Brakteaten eine äußerst beschränkte war. Die Entstehung der Brakteatenprägung ist wie folgt zu erklären. Mit Beginn der Kreuzzüge hatte sich der Verkehr in Deutschland wesentlich gehoben und es war in Folge dessen ein größerer Bedarf an Zahlmitteln eingetreten. Zugleich waren neue Silberquellen erschlossen worden, beziehungsweise lieferten die bereits vorhandenen Silbergruben, insbesondere diejenigen von Goslar, reichere Erträge. Die Münzmeister waren daher bei der höchst unvollkommenen Prägetechnik damaliger Zeit nicht mehr im Stande, den erhöhten Anforderungen zu genügen, das heißt so viel Münzen zu schaffen, als gebraucht wurden. Die schwierigste und zeitraubende Manipulation beim Anfertigen der Münzen war aber das Ausstückeln der Schrötlinge (Münzplättchen), welche man mangels geeigneter mechanischer Hilfsmittel mühsam aus den Zainen (großen Metallplatten) ausschnitt oder mittels Zangen und anderer Instrumente ausriss oder abkniff. Um nun diese Arbeit zu erleichtern, ging man Anfangs des zwölften Jahrhunderts dazu über, die Zaine immer dünner herzustellen. Die Verringerung der Dicke des Schrötlings bedingte aber, dass man die bisherige Fabrikationsweise, nach welcher Vorder- und Rückseite der Münze gleichzeitig geprägt wurde, verließ und den Schrötling, indem man ihn auf eine verhältnismäßig weiche Unterlage, etwa eine Bleiplatte legte, erst auf der einen, dann auf der andern Seite mit dem Stempel versah. Selbstverständlich fiel bei diesem Verfahren die Prägung außerordentlich mangelhaft aus, denn nicht nur, dass in Folge der geringen Stärke des Schrötlings das Gepräge der einen Seite auf der andern zum Teil durchgedrückt wurde, also vertieft erschien, wurde auch das der Münze zuerst aufgeprägte Bild durch die zweite Prägung teilweise wieder verwischt und so undeutlich, dass Typen und Aufschrift oft nicht zu erkennen beziehungsweise zu entziffern sind. Man nennt die auf diese Weise geprägten Münzen, welche zuerst in der Schweiz, in Deutschland zur Zeit Heinrichs V. (1106-112 5) aufkamen, Halbbrakteaten. Dieselben hatten übrigens in Mitteldeutschland nur eine kurze Lebensdauer, denn die Schrötlinge wurden schließlich so dünn hergestellt, dass sie einen zweiten Stempel absolut nicht mehr aufnehmen konnten. Man ließ daher im größten Teile Deutschlands denselben allmählich ganz weg und prägte nur noch einseitige Münzen, also eigentliche Brakteaten, während man in anderen Gegenden, namentlich in Bayern, wo sich die HalbBrakteaten auf die Dauer ebenfalls nicht halten konnten, zur Denarprägung zurückkehrte. Diese Erklärung des Entstehens der Brakteaten schließt indessen nicht aus, dass man in manchen Orten von der Denarprägung sofort auf die Brakteatenprägung überging, namentlich wenn dieselbe in Nachbarländern bereits üblich war. Auch mag die Einführung der Brakteatenprägung außer durch die angegebenen Gründe noch durch andere Einflüsse begünstigt worden sein, namentlich durch den Umstand, dass die Kosten sich erheblich niedriger stellten, als bei der Denarprägung, da nicht nur die Schrötlinge jetzt mühelos aus den "Hainen mit der Schere ausgeschnitten werden konnten, sondern die neue Fabrikationsweise auch weit weniger Stempel, als früher erforderte.

Der Herstellungsablauf der Brakteaten

Was das eigentliche Prägen der Brakteaten anbelangt, konnte dasselbe auf verschiedene Weise erfolgen. Entweder befestigte man den Stempel auf einem Klotz oder Amboss, legte dann auf den Stempel den Schrötling und schlug auf letzteren mit einem weichen Hammer, etwa von Holz oder dergleichen, derartig, dass der Schrötling die Gravierung beziehungsweise das Bild des Stempels aufnahm. Wahrscheinlicher ist stattdessen, dass man den Schlag des Hammers nicht direkt auf den Schrötling wirken ließ, sondern dass man eine dünne Bleiplatte oder ein Stück Leder oder sonstiges weiches Material dazwischen legte, welches dann, da es unter dem Schlage das Bild des Stempels im Relief aufnehmen musste, die Stelle einer Patrize versah und zugleich verhinderte, dass der Stempel zu sehr abgenutzt wurde. Endlich konnte man auch umgekehrt verfahren, indem man auf dem Amboss eine Unterlage anbrachte und auf letztere den Schrötling legte. Dann setzte man den Stempel, welcher eine solche Länge haben musste, dass er bequem mit der Faust zu halten war, auf den Schrötling auf und führte auf ersteren einen oder mehrere kräftige Schläge mit dem Hammer. Die beiden ersten Manieren dürften verhältnismäßig wenig zur Anwendung gekommen sein, da sie die Stempel zu sehr ruinierten und jedenfalls zu mühsam und zeitraubend waren, wenn anders ein einigermaßen gutes Gepräge erzielt werden sollte. Dagegen ist mit Sicherheit anzunehmen, dass man bei weitem die meisten Brakteaten auf die zuletzt beschriebene, einfachste und zugleich schnellste Weise angefertigt hat, welche ebenfalls gestattete, auf der allein in Betracht kommenden Vorderseite gute Ausprägungen des Stempels zu erzielen. Darüber, worin die Unterlagen bestanden, auf welchen die Brakteaten geprägt wurden, herrschen verschiedene Ansichten. Manche nehmen an, dass diese Unterlagen von Blei, andere, dass sie aus Leder, Filz, Tuch oder dergleichen gewesen sind. Nach den vom Verfasser selbst angestellten Versuchen ist es unter Anwendung der letzteren Materialien ebenso gut möglich, gute Ausprägungen zu erzielen, wie mit Blei, doch verdient letzteres insofern den Vorzug, als es mehrere Schläge gestattet, während die Unterlagen anderer Art nach dem Schlage mehr oder weniger federn und deshalb, wenn der erste Schlag zu schwach ausgefallen ist, einen zweiten nicht gestatten, ohne sofort bemerkbare Doppelprägungen zu hinterlassen. Es ist stattdessen anzunehmen, dass die Münzer des Mittelalters geübt genug gewesen sind, um stets nur einen Schlag zu führen und es erscheint daher wahrscheinlich, dass beim Prägen der Brakteaten vorzugsweise Unterlagen von Filz oder ähnlichen Stoffen benutzt worden sind, da die Anwendung von Bleiplatten, welche übrigens nur von mäßiger Stärke sein durften, wegen des häufig notwendigen Umgießens wohl zu umständlich und kostspielig gewesen sein mag. Es gibt ferner eine häufig vorkommende Art von Brakteaten, welche nicht flach, sondern schüsselförmig sind, indem der Rand auf der Vorderseite mehr oder weniger aufwärts gebogen ist. Über die Prägeweise dieser Brakteaten sind die Ansichten ebenfalls sehr verschieden. Nach den vom Verfasser angestellten Versuchen erklärt sich indessen dieselbe einfach dadurch, dass der Rand des Stempels verhältnismäßig breit und nicht scharfkantig, sondern mehr oder weniger abgerundet gewesen ist. Letzteres war an und für sich schon deswegen notwendig, um, wenn der aufgesetzte Stempel den dünnen Silberschrötling nicht genau deckte, das Durchschlagen beziehungsweise Abschneiden des überstehenden Randes zu verhindern. Tatsächlich finden wir auch auf allen Brakteaten, bei welchen, wie es bei anderen nicht im Ringe geprägten Münzen häufig vorkommt, der Stempel den Schrötling nicht vollständig getroffen hat, den auf der einen Seite überstehenden, also ungeprägten Rand von dem Münzbild keineswegs scharf abgegrenzt. Je breiter und je mehr nun der mit einer Gravierung nicht versehene Rand abgerundet war, desto mehr wurde derselbe gezwungen, bei der Prozedur des Prägens sich nach oben zu biegen. Unterstützt wird diese Erklärung der Entstehung der schüsselförmigen Brakteaten noch durch den Umstand, dass bei denjenigen Brakteaten, welche einen besonders breiten Rand haben, häufig kleine Falten in demselben zu bemerken sind, da das Silber des Schrötlings, insbesondere wenn es zu hart und spröde war, durch das Schlagen nicht genügend zusammengepresst wurde und dem durch dasselbe ausgeübten Druck nicht anders auszuweichen vermochte.

Die Stempelherstellung der Brakteatenprägung

Die von Münzforschern früherer Zeit ausgesprochene Ansicht, dass die Brakteaten mit Stempeln von hartem Holz geprägt worden seien, ist, vom technischen Standpunkte aus betrachtet, so unhaltbar, dass sie keine Widerlegung verdient. Dagegen ist es erklärlich, wenn man neben eisernen Stempeln auch solche von weicherem Metall, von Kupfer oder Bronze nutze, denn einerseits erleichterten die letzten Metalle die Arbeit des Schneidens, anderseits wurden die Stempel beim Prägen einem immerhin nur verhältnismäßig geringem Dreck ausgesetzt, so dass dabei ein weniger hartes Metall recht gut an die Stelle des Eisens treten konnte. Tatsächlich besitzen wir neben Brakteatenstempeln von Eisen auch noch Exemplare aus Bronze, und zwar sind letztere sogar im Wege des Gusses hergestellt, jedoch mit Feile und Stichel leicht überarbeitet. Bei Anfertigung der Stempel zu den in die spätere Zeit fallenden Brakteaten des rohen Stils verfuhr man indessen in höchst einfacher Weise, indem man sich fast nur darauf beschränkte, auf die Fläche des zu bearbeitenden Metallstücks mit einem hohen Instrumente Linien und Punkte einzuschlagen beziehungsweise an einander zu reihen und dadurch figuren-ähnliche Darstellungen zu erzielen. Die Stempel zu den ältesten Brakteaten sind durchgängig weit besser graviert, jedoch Teilweise, wie zum Beispiel diejenigen zu den Brakteaten Heinrichs des Löwen, nur in Linienmanier nach dem Muster der vorangegangenen Denare, auf welchen die Darstellungen ebenfalls linear sind. Sehr bald bemühten sich auch die Stempelschneider, ihren Werken ein noch schöneres, mehr künstlerisches Ansehen zu geben und es erscheinen daher unter den deutschen Münzen auf den Brakteaten zuerst eigentliche Reliefdarstellungen, welche später, und zwar meist in demselben Maße, in welchem der Umfang der Brakteaten sich verringerte, immer höher wurden. Wir begegnen hiernach der eigentümlichen Erscheinung, dass die älteren Brakteaten in Bezug auf den Stempelschnitt im Allgemeinen weit zierlicher und sorgfältiger ausgeführt sind, als die Brakteaten aus dem dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert ist hier, ähnlich wie bei den antiken Münzen, ein allmähliches Sinken der Kunst zu bemerken und man kann Brakteaten des besseren Stils, wenn sie wegen Mangels an Schrift oder aus anderen Gründen schwer zu bestimmen sind, mit ziemlicher Sicherheit einer früheren Periode zu Teilen, als die Brakteaten des unvollkommenen Stils. Zu den schönsten gehören außer den bereits oben erwähnten Brakteaten Heinrichs des Löwen diejenigen von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190), Albrecht dem Bären, Markgrafen von Brandenburg (113 4-1170), Heinrich I., Erzbischof von Mainz, welcher für seine thüringischen Besitzungen in Erfurt Brakteaten prägen ließ, ferner von Beatrix II., Äbtissin von Quedlinburg (1139-1166), Ulrich , Bischof von Halberstadt (1150-1160) u. a. m.

Die Verzierung der Brakteaten nimmt zu, die Münzen werden schöner

Alle diese Brakteaten sind mit mehr oder weniger reichen Ornamenten und Randeinfassungen, oft von großer Zierlichkeit, versehen, die Aufschriften sind, soweit solche vorhanden, sauber geschnitten und die Bildnisse der Kaiser und weltlichen oder geistlichen Fürsten teilweise in ganzer, teilweise in halber Figur mit einer für die damalige Zeit überraschenden und namentlich in Bezug auf die Kostüme, Rüstungen usw. bis ins Detail gehenden Sorgfalt ausgeführt. So ist beispielsweise auf einem Brakteat Albrechts des Bären mit der Umschrift ADELBERTS MARCHIO, auf welchem der Markgraf mit seiner Gemahlin Sophie in ganzer Figur dargestellt ist, selbst das Pelzwerk in den Mänteln deutlich zu erkennen. Sehr hübsch ist ferner sowohl in Bezug auf die der Darstellung zum Grunde liegende Idee als auch wegen der Zierlichkeit des Stempelschnitts ein aus der Zeit des Bischofs Ulrich herrührender Brakteat. Auf demselben ist der heilige Stephan, welcher durch Steinigung den Märtyrertod fand, im Diakonengewand, mit dem Nimbus und von Steinen bedeckt, liegend dargestellt. Über ihm befindet sich ein Bogen mit der Inschrift S - S (Sanctus) STEPHANVS RPOT (für PROT omart) und über letzterer das die Seele des Heiligen darstellende Brustbild, welches von zwei Engeln gen Himmel getragen wird. Ein anderer schöner Brakteat des Bisthums Halberstadt zeigt uns sogar die Steinigung des heiligen Stephan selbst: Er ist in die Knie gesunken, während vier Personen Steine auf ihn werfen; es sind also trotz der verhältnismäßig geringen Größe des Brakteaten nicht weniger als fünf Figuren auf demselben dargestellt. Um das Jahr 1200 macht sich die bereits erwähnte Verschlechterung des Stils der Brakteaten bemerkbar. Die Aufschriften werden allmählich unvollständiger und fehlerhafter, dann werden die Buchstaben und denselben ähnliche Zeichen von nachlässigen oder unwissenden und der Schrift jedenfalls unkundigen Stempelschneidern, welchen es nur darauf ankam, die Legenden älterer, gangbarer Münzen oberflächlich nachzuahmen, bunt durcheinander gestellt, so dass die Entzifferung schwierig, oft fast unmöglich ist. Endlich schwinden auch diese Pseudolegenden, die Typen werden immer einförmiger, die Darstellungen immer kunstloser und plumper, und man kann oft nur durch die Beizeichen, wie Mitra, Hirtenstab usw. erkennen, ob die Figur einen weltlichen oder geistlichen Fürsten darstellen soll. Es kam den Münzherren offenbar nur darauf an, ihre Münzen tunlichst schnell und mit möglichst wenig Kosten herstellen zu lassen. Besonders auffällige Beispiele des Verfalls der Münzkunst sind die zahlreichen Brakteaten der Markgrafen von Meißen und die sogenannten Lausitzer Brakteaten. Auf denselben sind die Markgrafen in mehr kauernder als sitzender Figur dargestellt. die Augen bestehen in zwei großen, stark hervortretenden Punkten, das Haar ist ebenfalls meist durch Punkte oder durch einen sich über den Kopf ziehenden, an den Seiten mit Punkten versehenen, dicken Strich dargestellt, die Körperverhältnisse sind ganz unförmig.

Die Brakteaten werden kleiner

Ebenso wie der Stil, verringerten sich allmählich auch der Gehalt und die Größe der Brakteaten, wodurch indessen nicht ausgeschlossen ist, dass zeitweise einzelne Fürsten während der allgemeinen Verschlechterung der Münze sich bemühten, dieselbe wieder zu verbessern. Der Durchmesser der thüringischen Brakteaten betrug anfänglich 35-40 Millimeter, bisweilen auch noch mehr, wie zum Beispiel bei den vorerwähnten in Erfurt geprägten Brakteaten des Erzbischofs Heinrich I. von Mainz, welche einen Durchmesser bis zu 47 Millimeter haben und daher ganz besonders dünn und zerbrechlich sind. In den Küstenländern der Ostsee und im Süden Deutschlands, besonders in Schwaben, waren indessen, wie bereits oben gesagt ist, die Brakteaten von Anfang an erheblich kleiner; die schwäbischen Brakteaten unterscheiden sich außerdem noch durch ihren Typus, insbesondere dadurch von den mitteldeutschen, dass das Bild des Stempels fast regelmäßig von einem Perlenkranz eingefasst ist und der äußere Rand manchmal auch kleine halbmondförmige Verzierungen von hohem Relief enthält. Die Brakteaten wurden anfänglich nur von den Kaisern und deren Burggrafen und Vögten, sowie von zahlreichen weltlichen und geistlichen reichsunmittelbaren Fürsten, weniger von den Städten, welche damals erst in beschränktem Umfange das Münzrecht besaßen, geprägt. Da jedoch die Brakteaten wegen ihrer leichten Zerbrechlichkeit sehr oft, meist alljährlich verrufen wurden, so war ihre Zahl außerordentlich groß. Man wechselte indessen bei neuen Prägungen nicht immer das gewohnte Münzbild, sondern brachte, um die neuen Brakteaten von den alten, widerrufenen zu unterscheiden, in der Regel nur kleine Beizeichen, als Punkte, Sterne, Kreuzchen, Rosen, Lilien usw. auf dem Felde an. So gibt es beispielsweise von den allerdings erst dem 14. Jahrhundert angehörenden schriftlosen Brakteaten der Stadt Braunschweig, den sogenannten Löwenpfennigen, eine große Menge, welche zwar alle das Wappen der Stadt, den Löwen tragen, daneben aber eine Reihe verschiedener Beizeichen führen, mittels deren sie sich leicht von einander trennen lassen. Ebenso oft mögen aber auch die verschiedenen Beizeichen zur Unterscheidung der Münzmeister und der einzelnen Münzstätten, von welchen letzteren die Münzherren oft mehrere besaßen, gedient haben. Die Brakteaten des besseren Stils führen meist das Bild der betreffenden weltlichen und geistlichen Münzherren oder ihrer Vertreter (Burggrafen und Vögte), diejenigen der mit dem Münzrecht ausgestatteten Abteien bisweilen auch das Bild der Schirmvögte, welche das Münzrecht ausübten. Die Kaiser und weltlichen Fürsten sind bald stehend, bald zu Pferde, bald auf dem Throne, oder einer gezinnten Mauer oder auch auf einem Bogen sitzend, fast immer aber, wenigstens mit dem Gesicht, von vorn dargestellt. Erst später, als die Brakteaten an Umfang verloren, wird das Brustbild üblicher. Ferner sind die weltlichen Fürsten stets mit Abzeichen ihrer Würde, als Krone, Zepter, Schwert, Banner usw. versehen. Die Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte führen je nach Umständen die Mitra, den Bischofs- oder Kreuzstab, das Evangelienbuch, das Pallium usw., die Äbtissinnen ebenfalls das Evangelienbuch, den unter dem Kinn oder auf der Brust geknüpften Schleier und andere kirchliche Abzeichen. Auf den Münzen der Prälaten ist das Bild derselben häufig auch von dem Bildnis des betreffenden Schutzheiligen begleitet, wie zum Beispiel auf den erwähnten Brakteaten Heinrichs I. von Erfurt.

Kirchliche Brakteaten

Noch öfter findet sich auf den von Kirchenfürsten geprägten Brakteaten der Heilige allein dargestellt, so auf den zahlreichen Brakteaten (sogenannten Moritzpfennigen) des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg (1154-1192) der heilige Moritz, ferner auf denjenigen von Halberstadt der heilige Stephan, von Erfurt der heilige Martin, von Breslau der heilige Johannes usw. Die Heiligen sind bald mit, bald ohne Nimbus, oft auch in bischöflicher Kleidung dargestellt und führen die auf ihr Martyrium bezüglichen Attribute, am häufigsten den Palmenzweig. Das Feld, in welchem sich das Bild des weltlichen oder geistlichen Münzherrn oder des Heiligen befindet, ist auch oft durch die verschiedenartigsten, durch architektonische Verzierungen, als "Türen, Mauern, Tore usw. ausgefüllt. Im dreizehnten Jahrhundert, zu welcher Zeit die Wappen gebräuchlicher wurden, begann man an die Stelle der bisherigen Bilder erstere, oder die betreffenden Wappentiere, später auch nur einzelne Teile des Wappens zu setzen. Dasselbe war indessen nicht immer das Wappen des Münzherrn, sondern oft auch dasjenige der Stadt, in welcher sich die betreffende Münzstätte befand. Da nun im Laufe der Zeit zahlreiche Städte von den Fürsten das Münzrecht erhielten, so ist es bei den späteren Brakteaten oft schwer, zu bestimmen, ob sie ersteren oder letzteren zuzuteilen sind. Die ältesten Brakteaten sind in der Regel mit Aufschrift versehen, doch gibt es neben denselben auch solche ohne Aufschrift in großer Menge. Die auf den älteren Brakteaten vorkommenden Schriftzeichen sind im Gegensatz zu der im Mittelalter sonst üblichen sogenannten Mönchsschrift lateinisch und von schöner Form; nur einzelne Buchstaben sind meist in dieser Schriftart geschnitten. Im Laufe der Zeit nehmen indessen auch die anderen Buchstaben immer mehr den Charakter der Mönchsschrift an, und es hält diese Umwandlung fast gleichen Schritt mit der allgemeinen Verschlechterung des Stils. Dabei machte man im ausgedehntesten Maße von Abkürzungen Gebrauch, so dass oft der Name des Münzherrn oder der Titel desselben nur durch einen einzigen Buchstaben angedeutet ist, zum Beispiel Henricus durch H, comes durch C, dux durch D usw. Schließlich verschwindet die Schrift fast gänzlich von den Brakteaten, oder sie ist, wo sie sich noch vorfindet, so unvollständig und mangelhaft, dass ihre Deutung oft große Schwierigkeiten verursacht. Das Umlaufgebiet der verschiedenen Brakteaten war in der Regel ein sehr beschränktes, indem dieselben gewöhnlich nur in dem Gebiete des betreffenden Münzherrn, nicht aber in den Nachbarländern Geltung hatten. Es kam daher häufig vor, dass einzelne Münzherren ihre Brakteaten, um denselben ein erweitertes Umlaufgebiet zu verschaffen, nach dem Muster solcher Brakteaten der Nachbarländer schlugen, welche beim Publikum besonders beliebt waren, oder dass sie, um ihre vielleicht geringwertiger ausgebrachte Münze an den Mann zu bringen, jene Brakteaten sogar möglichst genau nach prägten — beides Maßnahmen, durch welche das Bestimmen dieser Brakteaten ebenfalls erschwert wird. Beispiele der Nachahmung bereits bekannter Typen bieten mehrere brandenburgische Brakteaten von Jakza von Cöpenik, Albrecht dem Bär und Otto I., welche offenbar nach dem Muster der bekannten und verbreiteten Brakteaten des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg geprägt sind, sich aber Teils durch die Aufschrift, Teils durch besondere Eigentümlichkeiten von letzteren genügend unterscheiden, um eine Verwechselung auszuschließen. Es kam daher diesen Fürsten im Gegensatz zu anderen Münzherren, welche fremde Münzen lediglich aus Eigennutz nach prägten, zweifellos nur darauf an, ihrer eigenen, keineswegs schlechteren Münze leichtere Verbreitung zu verschaffen, indem sie dem Publikum, namentlich für den Handel, solche mit bereits bekanntem Typus boten. Die Brakteaten genannten Pfennige traten, wie bereits oben erwähnt, in einem großen Teile Deutschlands an die Stelle der Denare und wurden bei Großzahlungen abgewogen. Man rechnete anfänglich, als sie noch von gutem Silber waren, wie früher 240 Denare, so jetzt 240 Stück Brakteaten (Pfennige) auf die Mark feinen Silbers im Wert von 20 Schillingen. Später, als die Pfennige immer schlechter ausgebracht wurden, gingen indessen entsprechend mehr auf die Mark. Von der anfänglichen Gewohnheit, zur Darstellung kleiner Wertbeträge oder zur Ausgleichung des Gewichts die Brakteaten in zwei Hälften zu zerteilen, haben wir bereits oben gesprochen. In manchen Gegenden prägte man indessen zu den Ganzstücken besondere Hälften, oder auch nur letztere. Man nannte diese Halbstücke, welche also den früheren Obolen entsprachen und in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts in großer Menge im Umlauf waren, Hälblinge. Was schließlich die Aufbewahrung der Brakteaten anlangt, so konnte man bei ihrer leichten Zerbrechlichkeit selbstverständlich Säcke und Beutel nicht dazu verwenden. Man verpackte sie daher in ähnlicher Weise, wie heute die Geldrollen oder legte sie in Gefäße mit festen Wänden, namentlich Krüge und Töpfe, in welchen sie auch heut meistens gefunden werden. Im Verkehr des gewöhnlichen Lebens bediente man sich zur Aufbewahrung der Brakteaten kleiner runder Büchsen von Metall , Horn, Holz und dergleichen, ähnlich unseren heutigen Bonbonnieren und runden Schnupftabak-Dosen.