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Das Münzwesen der römischen Kaiserzeit

Wie bereits im vorhergehenden Paragraphen erwähnt, wurde zur Zeit der freien römischen Republik das Münzrecht in der Hauptstadt vom Senat und dessen Beamten, den Münzmeistern und außerhalb Roms von den Imperatoren oder deren Vertretern ausgeübt. Cäsar wich von diesem Grundsatz zuerst ab, indem er das Recht für sich in Anspruch nahm, auch in der Hauptstadt Gold und Silber zu prägen. Daneben münzte der Senat nach wie vor in Silber, später auch in Gold. Augustus, nachdem er in den Vollbesitz der Gewalt gelangt war, unterdrückte um das Jahr 16 v. Chr. die senatorische Gold-und Silberprägung, machte also das Münzwesen in der Hauptsache zu einem kaiserlichen Hoheitsrecht. Dagegen überließ er dem Senate zur Entschädigung das Recht der Kupferprägung, welche seit dem Jahre 74 v. Chr. geruht hatte. Diese Münzordnung blieb im Wesentlichen bis auf Aurelian (270-276 n. Chr.), welcher dem Senat auch das Recht der Kupferprägung entzog, unverändert. Ein anderes charakteristisches Merkmal des Münzwesens der Kaiserzeit besteht darin, dass in derselben der Gebrauch aufkam, auf die Vorderseite der Münzen, welche bisher ausschließlich einer Gottheit gewidmet war, das Bild des Herrschers oder auch seiner Gemahlin oder sonstiger Angehöriger zu setzen. Die erste derartige Münze ist eine im Jahre 44 v. Chr. geprägte Münze mit dem Bildnis Cäsars, doch ist dieselbe nicht von Cäsar selbst, sondern von dem Senat geschlagen worden, welcher hiermit wie mit andern Dingen dem Genannten göttliche Ehre beilegte. Cäsar selbst enthielt sich auf seinen eigenen Münzen noch dieser Auszeichnung. Dagegen finden wir auf Münzen seines Mörders, des M. Brutus, den Kopf desselben dargestellt — Ein schlagender Beweis dafür, dass, wie Mommsen sagt, jene Freiheitsmänner sich vielmehr gegen den Monarchen erhoben, als gegen die Monarchie und ihr Sieg eben auch nichts anderes gebracht haben würde, als in etwas anderer Formulierung denselben Inhalt.

Während ferner, wie wir früher gesehen haben, zur Zeit der römischen Republik Gold nur in beschränktem Umfang und zwar bloß vorübergehend von den Imperatoren geprägt wurde, beginnt mit der Kaiserzeit, veranlasst durch die unermesslichen Schätze an Edelmetallen, welche in Folge der Weltherrschaft Roms in dieser Stadt zusammenströmten, eine erweiterte Prägung in Gold. Das Stück aus diesem Metall war der (Denarius) Aureus im Wert von 25 Silberdenaren. Derselbe hatte ursprünglich ein Normalgewicht von 1/4„ Pfund oder 8,185 Gramm, doch ging dasselbe schon unter Augustus bis auf 7,80 Gramm, unter den späteren Kaisern aber noch weiter herab. Neben dem Ganzstück wurden auch Hälften, vierfache Stücke und später vorübergehend auch andere Nominale in Gold, teils mehrfache, teils Teilstücke, sämtlich jedoch nur in verhältnismäßig geringem Umfange geschlagen.

Die Unterschiede in der Münzprägung zwischen der Zeit der Republik und der Kaiserzeit

Die senatorische Kupferprägung der Kaiserzeit unterscheidet sich von derjenigen der Republik durch verschiedene Merkmale. Zunächst tritt als Ganzstück der Sesterz hinzu, dessen Ausprägung in Silber schon zur Zeit der Republik aufgehört hatte. Neben dem Sesterz im Wert von 4 Assen gab es noch den Dupondius = 2 As, den As, Semis = 1/2 As und Quadrans = 1/4 As, doch scheinen die beiden letzteren Nominale nicht lange geschlagen worden zu sein. Der alte Gebrauch, die Kupfermünzen mit Wertzeichen zu versehen, hörte unter den Kaisern auf. Dagegen wurde bei dem Sesterz und dem Dupondius dem Kupfer ein nicht unerheblicher Teil Zinn oder Zink zugesetzt, während der As, Semis und Quadrans aus verhältnismäßig reinem Kupfer geprägt wurden. Die beiden ersten Nominale unterschieden sich daher außer durch Gewicht und Größe vorzugsweise durch die hellere Farbe von den übrigen Nominalen. Für den Dupondius trat zudem später noch ein anderes Unterscheidungszeichen hinzu, indem seit Nero auf der gedachten Münze der Kaiser eine Strahlen Krone trägt, während auf allen übrigen Münzen der Kopf desselben mit Lorbeerkranz oder ohne allen Schmuck erscheint. Allen vom Senate geprägten Münzen gemeinschaftlich ist das an auffallender Stelle angebrachte „SC“ (senatus consulto). In der späteren Kaiserzeit kommt bei den Kupfermünzen die oben erwähnte Metallmischung nicht mehr vor und es zeigen sich verschiedene Schwankungen in der Ausprägung der Nominale. Insbesondere verschwinden die früheren großen Stücke ganz und es treten an deren Stelle ausschließlich Kleinmünzen in Kupfer. In Silber wurden fortdauernd Denare und, wenn auch nur in geringem Umfang, Quinare geschlagen. Unter Caracalla, und zwar seit 215 n. Chr. kommt ein neues Silbernominal hinzu, welches das Bild des Kaisers mit der Strahlenkrone oder das der Kaiserin auf dem Halbmonde trägt. Diese Gattung Münzen im Durchschnittsgewicht von 5 Gramm wurde nach ihrem Urheber M. Aurelius Antoninus Caracalla argenteus Aurelianus oder Antoninianus genannt, während der Denar, welcher daneben einmal mehr, einmal weniger geprägt wurde, im Gegensatz zu dem größeren Silberstück mit der Strahlenkrone fortan häufig als argenteus minutulus bezeichnet wurde. Diese Münze war unter den ersten Kaisern ebenso fein und wichtig wie in der letzten Zeit der Republik, mit einem Gewicht von 3,90 Gramm ausgeprägt worden. Unter Nero trat indessen die erste allgemeine Verschlechterung des Denars ein, indem derselbe nicht nur leichter im Gewicht (zu 1/96 Pfund), sondern durch absichtliche Legierung mit unedlem Metall auch geringer im Korn ausgebracht wurde. Unter den späteren Kaisern folgten weitere Verschlechterungen der Silbermünze. Daneben waren zahlreiche plattierte oder gefütterte Denare in Umlauf, welche indessen in demselben Masse allmählich verschwanden, in welchem die echte Münze im Wert gemindert wurde, da die Arbeit des Plattierens in Folge des fortdauernd sinkenden Wertes der Silbermünzen nicht mehr lohnend genug war. Dieselben wurden schließlich im dritten Jahrhundert fast zur Kupfermünze und unterschieden sich von der letzteren nur dadurch, dass sie durch Weißsieden einen flüchtigen Silberglanz erhielten und dass dem Gepräge das „SC“ fehlte. Verhältnismäßigkeit am wenigsten litten noch unter der allgemeinen Münzverschlechterung die Gold- und die Kupfermünzen. Einzelne Kaiser, wie Aurelian und Diocietian, machten zwar Versuche, diesem Münzunwesen Einhalt zu gebieten, doch hatten ihre Bestrebungen keinen dauernden Erfolg.

Konstantin der Große beeinflusste das Münzwesen maßgeblich

Die geschilderten Münzwirren wurden erst von Konstantin und seinen Nachfolgern gründlich beseitigt. Er regulierte die Goldprägung durch Einführung einer neuen Goldmünze, des solidus 'Aas (ist Ganzstück hat diese Münze ein Gewicht von 772 Pfund = 4,55 Gramm). Teilstücke des Solidus waren der Triens oder Tremissis von 1,52 Gramm und der Semis von 2,27 Gramm. Gleichzeitig wurde ein neues Silberstück geprägt, welches als ein 1/1000 des Goldpfundes gelten sollte und daher den Namen „Miliarense“ führte. Unter Julian wurden nach Abschaffung des Argenteus und des Antonianus, welche bisher noch im Kurs gewesen waren, die Siliquia oder 1/2 Miliarense = 1/24 des Solidus und die Halbsiliqua = 1/48 des Solidus die Haupt-Silberscheidemünzen.

Die Kupferprägung war bereits von Diocletian geregelt worden, welcher zwei Nominale schlagen ließ: Ein Großstück (ecunia major oder maforina) und eine Kleinmünze (numus centenionalis), welche bei Großzahlungen in Beutel verpackt und nach dem Gewichte gerechnet wurde. Auf den Kupfermünzen Diocletians und seiner Nachfolger erscheinen ebenso wie auf den Gold- und Silbermünzen häufig wieder Wertbezeichnungen (Währungsziffern). Was die Entwickelung der Münzkunst unter den römischen Kaisern anlangt, so ist es interessant, zu verfolgen, wie dieselbe mit dem Steigen und Sinken der übrigen Künste stets gleichen Schritt hielt und wie mit dem allmählichen Verfall des Staatswesens nicht nur eine allmähliche Verschlechterung des Münzfußes eintrat, sondern gleichzeitig auch ein allmähliches Sinken des Stils zu bemerken ist. Nach dem Untergang der Republik unter Augustus, zu dessen Zeitalter Kunst und Wissenschaft in Rom die höchste Blüte erreichten und die griechische Kunst dort heimisch wurde, entwickelte sich unter dem Einfluss auch die Münzkunst rasch zu hoher Vollkommenheit. Sie sank allerdings unter seinen Nachfolgern, nahm aber unter dem künstlerischen Hadrian einen neuen Aufschwung, welcher auch unter den Antoninen andauerte. Demnächst verschlechterte sich der Stil der Münzen sehr rasch und auch die Technik in der Prägung wurde immer mehr vernachlässigt. Man kehrte sogar, wie besonders an den Antoninianen zu bemerken ist, häufig zum Guss zurück. Unter Postumus, welcher von 258-267 n. Chr. in Gallien herrschte, nahm der Stil der Münzen auffallender Weise wieder einen vorübergehenden Aufschwung. Ebenso sind die Münzen der Kaiser Aurelian Diocletian und Constantin, welche sich auch um die Ordnung des Münzwesens verdient machten, wenn nicht gerade von künstlerischem Wert, so doch von weit besserer Technik in der Prägung, als ihrer Vorgänger.

Der Herrscher bleibt im Münzbild erhalten

Sämtliche Münzen der Kaiserzeit haben fast übereinstimmend auf der Vorderseite das Bild des Herrschers oder seiner Gemahlin oder sonstiger Angehöriger, sowie eine den Namen, die Würden und Ehrentitel anzeigende Umschrift. So finden sich auf den Münzen der Kaiser in mehr oder weniger abgekürzter Form die Titel: Imperator, Cäsar, Augustus (bei den Kaiserinnen Augusta), Augur, Pontifex Maximus, ferner die Abkürzungen, TR. P. oder TRIB. POT. (ribunicia otestate) COS. (Consul) und dahinter eine Zahl, welche andeutet, wie oft der Kaiser diese Würde erhalten beziehungsweise angenommen hatte. Ebenso kommen die Ehrenbenennungen P. P. (pater patriae), DIVVS als Ausdruck für die Vergötterung, oder DIVI F P. F. und bei den späteren Kaisern D. N. (dominus noster) häufig vor. Die Rückseite der Münzen enthält meist Bildnisse von Gottheiten in ganzer Figur oder Darstellungen, welche die Siege oder sonstige Taten des Kaisers verherrlichen, oder auf die Tugenden des Herrschers oder seiner Angehörigen bezügliche allegorische Figuren mit entsprechender Umschrift. Auch finden sich auf einem Teil der unter Augustus geprägten Münzen noch die Münzmeisternamen, doch verschwinden dieselben sehr bald, da die Kaiser die Münze durch eigene Hausbeamte, welche oft aus der Zahl der Freigelassenen gewählt wurden, verwalten ließen. Die Darstellungen auf der Rückseite der Münzen sind in der Regel künstlerisch unbedeutend. Dagegen sind die Köpfe der Kaiser und Kaiserinnen bis zu den Antoninen so sorgfältig und künstlerisch schön geschnitten, so charakteristisch und von solcher Lebenswahrheit, dass sie uns die zuverlässigsten Portraits bieten. Dies gilt namentlich von den sogenannten Großbronzen (Sesterzen und Dupondien,), welche überhaupt unter den Münzen der Kaiserzeit den künstlerisch höchsten Wert haben. Unter den späteren Kaisern wird der Stempelschnitt immer roher und schablonenhafter, so dass die Bildnisse schließlich gar keinen Anspruch mehr auf Ähnlichkeit besitzen. Die Köpfe der Kaiser sind auf den Münzen einmal mit und einmal ohne Lorbeerkranz, auf den Antoninianen und Dupondien, später auch auf den übrigen Kupfermünzen mit der Strahlenkrone dargestellt. Seit Diocletian tritt an Stelle derselben auch der Helm und seit Konstantin häufig das Diadem. Charakteristisch ist, dass bis Hadrian auf den Münzen kein Kaiser mit einem vollen Barte erscheint. Eine eigentümliche Gattung Münzen der Kaiserzeit bilden die sogenannten restituirten Münzen Trajans. Es sind dies Münzen, welche der genannte Kaiser zur Erinnerung an die Vorzeit unter Wiederholung von auf älteren Münzen vorkommenden Typen und unter Beifügung seiner Namensaufschrift mit dem Zusatz „REST“ (ituit) vorübergehend prägen ließ. Ferner sind hier noch die sogenannten Medaillons zu erwähnen, welche unter verschiedenen Kaisern geprägt wurden und nicht eigentliche Geldstücke, sondern Schaumünzen nach Art unserer Medaillen waren. Dieselben sind weit größer und schwerer als die Kurantmünzen und zeichnen sich insbesondere durch kunstvolleren Stempelschnitt und edleren Stil vor letzteren aus. Sie kommen in Gold, Silber und Kupfer vor, und zwar wurden Goldmedaillons zuerst unter Augustus und dann wieder unter Domitian und den späteren Kaisern, Silbermedaillons ebenfalls zuerst unter Domitian und Bronzemedaillons zuerst unter Trajan geprägt. Von Trajan und Domitian bestehen manche aus zwei Stücken, nämlich aus der eigentlichen Medaille von Kupfer und einem vor der Prägung um dieselbe gelegten Ringe von gelblichem Erz. Die Bronzemedaillons mögen zum Teil zur Verzierung der Feldzeichen gedient haben, wie noch die an manchen vorhandenen Spuren des Einlötens erkennen lassen, während die an den Gold-und Silbermedaillons befindlichen Ösen beweisen, dass sie wahrscheinlich als Ehrenzeichen verteilt und an Ketten getragen wurden. Contorniaten nennt man große, aus dem vierten und fünften Jahrhundert n. Chr. herrührende Bronzestücke, welche am Rande mit einem vertieften Kreis (contorno) versehen sind und oft eingelegte Silberzierrate haben. Sie sind von sehr flachem Gepräge und tragen auf der Vorderseite den Kopf des herrschenden oder eines früheren Kaisers, manchmal auch das Bildnis anderer berühmter Männer des Altertums, während die Rückseite verschiedenen, meist auf die Rennbahn bezüglichen Darstellungen gewidmet ist. Sie dienten daher wahrscheinlich zu irgend welchen Zwecken bei den zirzensischen Spielen.