Die Bearbeitung von Gold & Silber

Gold und Silber können in gleicher Weise, und zwar auf warmem und kaltem Wege, bearbeitet werden. Das Gießen: Beide Metalle sind schmelzbar und können ohne besondere Schwierigkeit in Formen gegossen werden. Die dünneren Teile an Geräten, welche eine gewisse Festigkeit haben sollen, der Schaft des Fußes, die Henkel, Bügel, Knäufe, kleine Figuren und ähnliches werden zumeist gegossen, die Form wird in Sand gebildet. Wenn man keinen Kern braucht, ist die Herstellung leichter. Die älteren Arbeiten sind zumeist in „verlorenem Wach“ gegossen: Das Modell aus Wachs wird mit Formsand umgeben, durch welchen ein dünner Kanal führt, das Wachs wird geschmolzen oder das eintretende glühende Metall schmilzt selbst das Wachs, welches in den Sand verläuft, und

Holzmodell für ein Schlüsselblech
Holzmodell für ein Schlüsselblech.
0,06 mm hoch







Kupfernes Modell, Rand eines Pokalfußes
Kupfernes Modell, in sechsfacher Wiederholung den Rand eines Pokalfußes bildend. 0,05 hoch

setzt sich an Stelle des Wachses. Will man Metall sparen, so arbeitet man das Wachsmodell auf einem Tonkern, welcher in dem Gussstück gefangen bleibt oder durch kleine Öffnungen herausgeholt wird. In ähnlicher Weise macht man Naturabgüsse von Früchten, dicken Blättern, Eidechsen, Käfern (sehr beliebt in der Kunst des 16. Jahrhunderts), indem man den Sandmantel um den Gegenstand legt und ihn ausbrennt, so dass die Höhlung den genauen Abdruck bildet. Für Gegenstände, welche man öfters zu wiederholen wünscht, besonders für flache Stücke, stellt man Modelle her, welche man in den Formsand abdrückt und heraushebt. Um diesen Abdruck wird ein Rand gelegt und eine dünne Metallschicht wird hinein gegossen (Kastenguss). Die Modelle werden aus Buchsbaumholz geschnitten (gestochen), von Künstlern, welche als »Formstecher« auch für andere Zweige als die Goldschmiedekunst, z. B. die Kunsttöpferei, tätig sein können, und welche ganz ähnliche Platten mit figürlichen Kompositionen auch direkt als Verzierungen für hölzernes Gerät anfertigen. Das Kunstgewerbe-Museum besitzt eine reiche Sammlung derartiger Modelle. Der Goldschmied selbst arbeitet auch wohl ein Modell in Treibe-Arbeit aus Kupfer, welches er durch Guss in Edelmetall vervielfältigt, so dass die fertigen Stücke —besonders wann sie nachträglich etwas überarbeitet werden — völlig wie getrieben aussehen (die Friese am pommerschen Kunstschrank). Diese bequeme Aushilfe ist für ornamentale Teile, die sich wiederholen, sehr viel häufiger angewendet, als man zumeist glaubt. Es gibt große Prachtpokale aus berühmten Werkstätten des 16. Jahrhunderts, an denen alle Schmuckteile gegossen sind (der Jamnitzerpokal). Man verstand es, Silber in der Dicke eines starken Papierblattes zu gießen.

Der galvanische Niederschlag, eine Erfindung unserer Zeit, schien berufen, für moderne Arbeit an Stelle des Gusses zu treten. Das Metall wird aufgelöst und durch Einwirkung des galvanischen Stromes in die vorbereitete und in das Bad eingelassene Guttapercha-Form niedergeschlagen. Je langsamer der Strom arbeitet, desto dichter schließen sich die Metallpartikel aneinander, je länger, um so stärker wird die Schicht. Die Wiedergabe des Modells erfolgt in höchster Schärfe, dasselbe Modell kann viele Male benutzt werden. Gegenüber diesen großen Vorteilen bleibt der Missstand, dass der Niederschlag nicht so dicht ist wie das gegossene und nicht so elastisch wie das gehämmerte Metall. Es ist daher schwer, den gewünschten Glanz des Metalls zu erreichen, der Grad der Dauerhaftigkeit bleibt noch fraglich.