Das Färben von Gold und Silber

Sowohl das Gold als das Silber verändern ihre Farbe durch Beimischung fremder Metalle (Legierungen), welche zur Erzielung größerer Härte oder auch der Farbwirkung wegen zugesetzt werden. Gold wird durch Zusatz von Silber blasser, das Elektron der Griechen gilt für eine Mischung von halb Gold, halb Silber. Gold mit Kupfer wird rötlich, vorwiegend Kupfer ist das goldähnliche Tombak des 18. Jahrhunderts. Durch besondere Beizen und metallische Zusätze vermag man die Oberfläche des Goldes zu färben und, indem man einzelne Stellen abdeckt und besonders behandelt, auf derselben Platte verschiedene Farben herzustellen, also einen Kranz von grünlichen Blättern und rötlichen Blüten mit gelben Bändern auf einem weißlichen Grund. Das Vergolden ist die wichtigste Form des Färbens. Es entspringt dem Bedürfnis, einem minderwertigen Metall, dem Silber, Bronze, Kupfer oder Eisen, die Farbe, vor allem aber die Luftbeständigkeit des Goldes zu geben. Zu diesem Zweck muss das Gold in einer so dünnen Schicht aufgetragen werden, dass es die Form des umkleideten Körpers nicht verändert. In unvollkommener Weise erzielt dies die älteste Form der Vergoldung, das Aufhämmem eines möglichst dünnen Goldblechs auf den Bronze- oder Silberkörper. Arbeiten dieser Art sind uns noch aus der römischen Zeit erhalten. Für die Zwecke der Vergoldung wird das Gold durch ein eigenes Gewerbe, die »Goldschläger«, bis zur Dünne des Blattgoldes verarbeitet. Es kann durch Pigmente auf der Unterlage befestigt werden: kalte Vergoldung.

Die Feuervergoldung

Die edelste Form der Vergoldung ist die Feuervergoldung. Das Gold wird in Quecksilber aufgelöst und als dünner Brei aufgetragen. Im Feuer verflüchtigt sich das Quecksilber, das Gold haftet als aufgeschmolzene dünne Schicht unlöslich auf dem Körper. Dieses Verfahren ist seit dem Altertum durch alle Zeiten so durchgreifend geübt worden, dass man bis zum 17. Jahrhundert weitaus die meisten Silberarbeiten nicht in ihrer natürlichen Farbe, sondern in Vergoldung hergestellt hat. Die französische Sprache hat für vergoldetes Silber ein selbständiges Wort, „vermeil“, welches uns fehlt. Die Feuervergoldung hat das Problem, dass die weiche Goldmasse sich beim Schmelzen in die Vertiefungen zieht, sodass die Modellierung ein wenig abgeschwächt wird und die Höhen des Reliefs sowie die Kanten der Geräte, welche der Berührung am meisten ausgesetzt sind und daher gerade stärker bekleidet sein sollten, schwächer bedeckt sind. Nach längerer Benutzung wird daher die Goldschicht auf den Höhen abgerieben, das Silber schimmert durch, und es entsteht zunächst die bekannte sehr malerische Wirkung alten Goldes, dessen Höhen lichter erscheinen. Bei noch weiterer Abnutzung tritt jedoch das Silber frei zu Tage und oxydiert schwärzlich, wodurch die Lichtwirkung eine umgekehrte, falsche wird.

In neuester Zeit wendet man mit Vorliebe die galvanische Vergoldung an, durch welche man dem Metall eine erstaunlich dünne gleichmäßige Golddecke geben kann, die — umgekehrt wie bei der Feuervergoldung— an den vorspringenden Kanten etwas stärker aufliegt. Das Verfahren ist sehr viel leichter, wohlfeiler und sicherer als die Vergoldung mit Quecksilber, auch nicht gesundheitsschädlich wie jenes, aber bisher ist es nicht gelungen, dem galvanischen Gold die Dichtigkeit und den leuchtenden Schmelz des Feuergoldes zu geben. Die Versilberung wird in gleicher Weise auf Kupfer oder Messing ausgeführt. Beide Formen der Vergoldung ermöglichen es, einen Metallkörper teilweise mit Gold zu bedecken, indem man entweder einzelne Glieder vergoldet oder auch Muster auf dem Grund bildet. In der »Ziervergoldung« vergoldet man auf Kupferplatten den Grund und spart durch Abdeckung ein Muster aus, wird dieses Muster braun oxydiert, so hebt es sich dunkel vom Goldgrund ab. In dieser Technik sind die schönsten uns erhaltenen Flachornamente des 12. und 13. Jahrhunderts an den Reliquienkästen des Rheinlandes ausgeführt. Eine Teilvergoldung lässt sich auch durch die anfangs erwähnte Technik des Aufhämmerns ausführen und erhält eine glänzende Ausbildung in dem Tauschieren. Man kann nur ein weiches Metall auf ein härteres aufhämmern, daher nur schwer das Gold auf das Silber, dagegen sehr gut Gold und Silber auf Bronze, vornehmlich aber auf Eisen. Es gibt hierfür zwei Verfahren: Die Fläche des Eisens wird rau geschlagen wie eine Feile, die gewünschten Ornamente werden aus dünnem Gold- (oder Silber-) Blech aufgeschnitten, aufgelegt und sodann wird das Stück wieder glatt gehämmert, wobei die Goldblättchen durch das übergreifen der aufgerauten Teile unlöslich fest mit der Platte verbunden werden. Eine besondere Schärfe der Umrisse lässt sich hierbei nicht erzielen, man ist daher auf einfache Muster ohne besonderen Ausdruck angewiesen. Die zweite Möglichkeit ist folgende: Die gewünschte Zeichnung wird in die Eisenplatte vertieft eingegraben. Man sorgt dafür, dass der Grund der Vertiefungen möglichst rau bleibt und durchschneidet die Ränder. In diese Vertiefungen wird Gold oder Silber hinein gehämmert, bis eine völlig glatte Fläche entsteht. Muster mit größeren Flecken, etwa figürlicher Art, würden schlecht haften, am leichtesten arbeitet man in dieser Technik lineare Muster, in welche man Golddrähte hinein klopft oder kleine spitzig geschwungene Blätter. Diese Technik war bei den im Mittelalter und auch noch im 16. Jahrhundert hochberühmten Waffen des Orients, besonders von Damascus, sehr beliebt und wird daher auch als »Damaszieren« bezeichnet. Die große Menge der arabischen Ornamente in der Metallarbeit der Renaissance, die eigentlichen »Arabesken«, sind von solchen Waffen entnommen. Diese Technik hat daher, obgleich sie dem Edelmetall nicht unmittelbar angehört, für die Gold- und Silberarbeit eingreifende Bedeutung.

Durch Auflegen von Edelsteinen hat man seit den ältesten Zeiten für farbige Belebung der Metallarbeiten gesorgt. Die Edelsteine werden entweder in die durchbrochene Fläche eingelassen, sodass sie lichtdurchlässig bleiben, oder sie werden in besonderer Fassung auf die Fläche aufgesetzt (Kastenfassung). Je kostbarer ein Stein ist, desto mehr wird ihm die Metallarbeit untergeordnet, die Behandlung der in ihrer natürlichen Gestalt möglichst erhaltenen oder auch künstlich geschliffenen Steine wird dann zu einer eigenen Kunst, der Juwelierkunst. Weniger wertvolle Steine werden dagegen zur farbigen Musterung der Metallkörper verwendet und auch wohl zerschnitten. Man bildet Muster aus kleinen Metallzellen, welche man mit entsprechenden Steinplatten füllt. Hierzu dienen im frühen Mittelalter vornehmlich rote, auch wohl schwarze Granaten. Runde Steine in natürlicher Form, der Länge nach durchbohrt, kommen aus dem Orient und werden als Zierknäufe verwendet, aufgereihte Perlen bilden Abschlussborten. Die mit Bildwerk künstlerisch geschnittenen Steine, die Gemme und der Cameo, gehören einer besonderen Kunstübung an. Im Mittelalter werden antike geschnittene Steine ohne Rücksicht auf die heidnischen, selbst anstößigen Darstellungen, ebenso antike Glasnachbildungen derartiger Steine, »Glaspasten«, zum Schmuck von Goldgefäßen einschließlich des Kirchengerätes vielfach verwendet. Halbedelsteine werden zu allen Zeiten in Verbindung mit Gold und Silber verarbeitet, die wertvolleren unter ihnen, Onyx, Achat, Chalcedon, Bergkristall, Lapislazuli, welche für kostbarer als jedes Metall gelten, werden nur in Gold, die bescheideneren Steine, wie Serpentin und Alabaster, auch in Silber und Zinn gefasst. Alte kostbare Steinkörper, der Fassungen beraubt, erhalten sich und werden in späterer Zeit neu gefasst. An die Steine knüpfen sich alchimistische Vorstellungen von besonderer Heil- und Wunderkraft, welche ihre Bedeutung für das Trinkgerät erhöhen. Die Wertschätzung der Steine, besonders des Bergkristalls, sinkt, als man im 17. Jahrhundert hartes Kristallglas herzustellen vermochte. Seltene Naturalien werden mit großer Vorliebe zu Prachtgeräten verarbeitet. Im Mittelalter knüpft sich auch an sie der Wunderglaube. Das Narvalhorn wird dem Einhorn (Symbol der Reinheit) zugeschrieben und Stücke desselben in Gold und Juwelen gefasst, das Straußenei gilt als Ei des Phönix oder des Pelikan (Symbole der Unsterblichkeit und des Opfertodes), ausländische Hörner gelten als Klauen vom Greifen. Beim Ausgang des Mittelalters, nach Entdeckung der neuen Welt, schwindet der Wunderglaube, aber das weltliche Interesse an diesen Naturalien ist noch weit stärker. Sehr beliebt die Nautilusmuscheln, die Perlmuttermuscheln, die Kokosnüsse. Das Schildblatt wird erst am Ende des 17. Jahrhunderts häufiger benutzt.

Von Hölzern verwendet das Mittelalter das feste Maserholz zu Bechern, welche in Gold gefasst werden. Seit dem 16. Jahrhundert ist das Ebenholz die beliebteste Grundlage für Metall-, besonders Silberarbeit.