Fränkische Goldschmiede Arbeiten der Vergangenheit

Fränkische Arbeiten in dieser Technik finden sich in den französischen Sammlungen: Das Schwert des Childerich († 481), der Becher des heiligen Eligius († 640), welcher Bischof und der Goldschmied der merowingischen Könige war und später als Schutzpatron der Goldschmiede verehrt ward, der Kasten von Undiho und Ello, gefertigt in S. Maurice in Wallis und ähnliches. Das Museum für Völkerkunde enthält zahlreiche Schmuckstücke, besonders runde Platten von Gewand-Fibeln, Proben in der Schmucksammlung des Kunstgewerbe-Museums. Der Schatz des Dionysianischen Kapitels von Enger geht in die fränkische Zeit zurück. Das Stift Enger bei Herford wurde von dem Sachsenherzog Wittekind nach seiner Bekehrung durch Karl den Großen im Jahr 807 gegründet. Hier starb Wittekind und hinterließ dem Stift seine Schätze, welche im Jahre 1414 zur Aufbewahrung an die Johanniskirche in Herford gelangten und daher als Schatz von Herford bekannt sind; seit 1888 sind sie im Kunstgewerbe-Museum. Das Reliquiarium, eine Arbeit des 8. Jahrhunderts, ist eines der wichtigsten Dokumente für die Geschichte deutscher Goldarbeit. Auf der reichen Vorderseite sind die handwerk-artigen Streifen aus gefassten Granatsplittern, wie die erwähnten fränkischen Stücke, gearbeitet. In den Zwickeln, zwischen den Bändern, befinden sich jedoch kleine Bildplatten, welche Vögel und Schlangen darzustellen versuchen und bereits in wirklichem Zellenschmelz ausgeführt sind.

Reliquiar des Wittekind um 800
Reliquiar des Wittekind um 800. 0,16 hoch.

Augenscheinlich sind dies die ersten tastenden Versuche eines fränkischen Künstlers, welcher die Zellen eckig bildet, wie er es für die Granatsplitter gewohnt war, und dem nur wenig Glasflüsse zu Gebote stehen, wahrscheinlich aus zerstörten römischen Mosaiken. Die Rückseite getriebenes vergoldetes Silberblech mit sehr rohen Halbfiguren von Heiligen. In dem Kamm mit seinen verschlungenen Tiergestalten und in dem Ornamente der Unterseite Reste nordischer Überlieferung. Die aufgesetzten Steine zum Teil antike Gemmen. In Gestalt und Verzierung am nächsten verwandt ist dieses Stück dem noch prächtigeren Reliquiar im Dom zu Monza, welches dort als Zahn Johannes des Täufers bezeichnet wird, in der Annahme, dass die Gestalt desselben die Form des darin als Reliquie eingeschlossenen Zahnes zeigte. Die Form ist aber sicherlich die einer Umhängetasche, an welche der obere Bügel noch erinnert, auch die Anhängervorrichtungen an der Seite sind erhalten. Es galt, den wenig sesshaften Fürsten jener Zeit eine Tasche zu gestalten, in welcher sie die schützenden Reliquien auf ihren Wanderungen und im Kampfe in würdiger Weise mit sich führen konnten. Man wird kaum fehlgehen, wenn man in dem Behälter von Enger eines der Taufgeschenke Karls des Großen an Wittekind erblickt. Da die Metallarbeiten am Dome Karls des Großen zu Aachen ältere, von Italien eingeführte Stücke sind, so haben wir in diesem Reliqarium vielleicht das einzige Stück, das uns von der Metallkunst am Hofe Karls des Großen Kunde gibt. Verwandt ist die Reliquientasche ähnlicher Form in den deutschen Reichskleinodien. Zu den Schätzen Karls des Großen, mit welchen sein Testament 21 Kirchen ausstattete, gehört vielleicht noch ein Reliquiar in Form eines „A“ in Conques. Von seinem weltlichen Besitz, goldenen und silbernen Tischen usw. ist nichts erhalten.