Geschichte der Münzkunde

Die alten Griechen und Römer haben sich mit dem Sammeln von Münzen zu wissenschaftlichen Zwecken nicht befasst, jedenfalls fehlt es uns an jeder Nachricht darüber. Im Mittelalter war Italien das erste Land, in welchem man Interesse für die Münzkunde gewann und mit dem Sammeln von Münzen begann. So wissen wir, dass schon Petrarca (um 1360) und Cosmo von Medici Münzsammlungen besaßen. Zunächst breitete sich das Interesse für die Münzkunde auch in Spanien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland aus. Namentlich waren es in diesen Ländern die Fürsten und Herren, welche zuerst Münzsammlungen anlegten, doch folgten auch bald Privatpersonen, Künstler und Gelehrte diesem Beispiel. Den besten Beweis für das Umsichgreifen des Sammeleifers liefert der Umstand, dass man, um der Nachfrage nach seltenen Stücken zu genügen, schon im 16. Jahrhundert sich damit befasste, Nachahmungen von denselben anzufertigen. Es geschah dies namentlich in Padua, wo zuerst Cavinus um 1550 nach echten antiken Münzen, vorzugsweise nach Großbronzen römischer Kaiser, neue Stempel schnitt und mittels derselben Kopien herstellte. Man nennt diese Nachahmungen, welche insofern künstlerischen Wert besitzen, als sie nicht von den Originalen abgegossen, sondern mittels eigens zu diesem Zweck gefertigter, von tüchtigen Künstlern geschnittener Stempel geprägt sind, Paduaner. Auch ist anzunehmen, dass Cavinus seine Arbeiten keineswegs verleugnete oder eine Täuschung mit denselben beabsichtigte. Bald ahmten ihn indessen Andere in betrügerischer Absicht nach und verbreiteten ihre mehr oder minder täuschend hergestellten Produkte als echte Antiken. Man ging sogar so weit, dass man, um das Interesse der Münzsammler zu erregen, neue Stempel erfand, oder Gepräge herstellte, deren Vorder- und Rückseite nicht zusammengehörten und verschiedenen Münzen nachgeahmt waren. Durch diese Nachprägungen sind früher, wenn man den Münzen auch noch künstlich ein altertümliches Ansehen gegeben hatte, viel Irrtümer veranlasst worden. Es ist jedoch im Laufe der Zeit gelungen, dieselben aufzuklären und kein Kenner wird sich heute noch durch diese Fälschungen täuschen lassen. Darüber, in wie weite Kreise der Sammeleifer bereits im 16. Jahrhundert gedrungen sein muss, gibt uns Serrure in der Einleitung zu seinem Werke erzählt, wie Hubertus Goltzius, ein berühmter Kupferstecher (1526-1583), wiederholt große Reisen durch Belgien, Holland, Deutschland und Frankreich lediglich zu dem Zwecke unternahm, um die zahlreichen numismatischen Kabinette in diesen Ländern zu besichtigen. In Deutschland besuchte er u.a. die Städte Xanten, Mörs, Duisburg, Kaiserswerth , Düsseldorf, Neuss, Köln, Mainz, Frankfurt a. M., Würzburg, Wien, wo er dem Kaiser vorgestellt wurde und unter andern berühmten Zeitgenossen den Cardinal Otto Truchsess, die Fugger, Wolfgang Lazius und Peutinger kennen lernte, ferner Basel, Straßburg, Heidelberg, Stuttgart, Tübingen, Ulm, Ingolstadt, Regensburg und München. Die Gesamtzahl der von Goltzius auf seinen Reisen besichtigten, teils Fürsten, teils Privatpersonen gehörigen Münzsammlungen, beträgt nicht weniger als 950. Das Ergebnis seiner Forschungen hat Goltzius in einem umfangreichen Werke „De re nummaria antiqua“ niedergelegt. Dasselbe enthält zwar vielfache Irrtümer, namentlich leiden viele seiner Abbildungen an Ungenauigkeit und selbst unechte Münzen sind von ihm in sein Werk mit aufgenommen worden. Die zahlreichen von Eckhel später ans Licht gekommene Fehler Goltzius verdienen aber eine mildere Beurteilung, wenn man berücksichtigt, dass er der. Erste war, welcher die antike Numismatik, namentlich die griechische, eingehender behandelte, dass er also gewissermaßen als der Begründer der numismatischen Literatur zu betrachten ist. Nach Goltzius wurde die antike Numismatik von zahlreichen Gelehrten zum Gegenstande eingehender Forschungen gemacht, so namentlich von Vaillant, Pellerin, Spanheim, Bandurius und Anderen.

Numismatische Nachschlagewerke

Die umfangreichste und wissenschaftlichste Bearbeitung fand die antike Numismatik in dessen gegen Ende des vorigen Jahrhunderts durch den Numismatiker Josef Eckhel in Wien. Demselben gebührt das Verdienst, dass er durch kritische Sichtung das Echte vorn Unechten schied und dass er die gerammte antike Numismatik in ein wissenschaftlich geordnetes System brachte, welches noch heute allseitig als mustergültig betrachtet wird. In sein Hauptwerk findet man die Einleitung „elementa rei numariae veterum sive proleg emena doctrinae numorum“. Dasselbe steht noch jetzt fast in allen Teilen unübertroffen da und bildet die Grundlage der neueren Handbücher über antike Numismatik. Die mittelalterliche und die neuere Münzkunde wurden erst verhältnismäßig spät zum Gegenstande wissenschaftlicher Forschungen gemacht. Wir besitzen zwar bereits aus dem 16. und17. Jahrhundert mehrere Handbücher, darinnen allerlei groß und kleine, silberne und goldene Sorten vorgestellt werden, darinnen zu besehen die besten und schönsten sowohl alte als neue Geldmünzen, etliche bei des Herrn Christi Zeiten geschlagen etc. Daneben fremder Potentaten Münzen, Hamburg 1631 und andere mehr, doch sind dieselben offenbar nur zum Gebrauch für Kaufleute, Geldwechsler usw. bestimmt gewesen. Trotzdem sind diese Münzbücher nicht ohne Wert für die Münzkunde, da in denselben die Abbildungen mancher im Original nicht mehr vorkommender Münzen enthalten sind. Sie dürfen indessen nur mit Vorsicht benutzt werden, da die Abbildungen oft ungenau sind, namentlich aber auf die Größenverhältnisse bei denselben nicht immer genügend Rücksicht genommen ist. So sind beispielsweise die Goldgulden bisweilen genau in derselben Größe, wie die Taler gezeichnet, und es ist daher erklärlich, dass durch diese Art der Darstellung, beim Fehlen jeglicher Wertangabe, schon manche Irrtümer herbeigeführt worden sind. Das zuverlässigste der in Rede stehenden Münzbücher, welches sich namentlich durch Reichhaltigkeit und treue Abbildungen auszeichnet, ist noch das von Paris. Gegen Anfang des 18. Jahrhunderts erwachte in Deutschland das Interesse für mittelalterliche und neuere Münzkunde, und es beginnt daher erst mit diesem Zeitpunkt die auf die gedachten Zweige der Numismatik bezügliche Literatur. Von den in Betracht kommenden Schriftstellern des gedachten Jahrhunderts seien hier nur Olearius, Leuckfeld, von Ludewig, Köhler und Joachim erwähnt. Obgleich außer den genannten auch noch andere ihrer Zeitgenossen uns zahlreiche Werke hinterlassen haben, so blieb doch die Kenntnis der neueren, aber der mittelalterlichen Münzkunde bis gegen Anfang unseres Jahrhunderts noch sehr mangelhaft. Letztere erfuhr erst durch Mader († 1815) eine wertvolle Bereicherung. Seine Werke Kritische Beiträge zur Münzkunde des Mittelalters und Versuche über die Brakteaten sind geradezu bahnbrechend für die Münzkunde des Mittelalters geworden Seitdem hat dieselbe ebenso wie die antike und die neuere Numismatik zahlreiche vortreffliche Bearbeiter gefunden und wir besitzen jetzt eine in jeder Beziehung so reiche numismatische Literatur, wie sie kaum eine andere Hilfswissenschaft der Geschichte aufzuweisen hat. Am zahlreichsten sind die Werke über einzelne begrenzte Zweige der Numismatik, über die Münzen einzelner Länder, Städte und Fürsten (Monographien). In Bezug auf die Werke allgemeineren Inhalts verweise ich auf das Vorwort, in welchem eine Reihe derselben von mir aufgeführt ist. Außerdem gibt es noch zahlreiche vortreffliche Werke rein beschreibenden Inhalts, wie von Mionnet über griechische und römische Münzen, ferner die sogenannten Kabinette, welche einzelne Klassen von Münzen behandeln, wie Köhlers Ducatencabinet, Böhme's Groschenkabinett, Neumann's Beschreibung der bekanntesten Kupfermünzen, endlich die Talerkabinette von Madai und von Schulthess-Rechberg und viele andere. Auch manche Kataloge, wie der von Thomsen über mittelalterliche Münzen, von Wellenheim über antike, mittelalterliche und neuere Münzen, ferner die Kataloge der Reichel' schen Sammlung, der Henckef´schen Sammlung brandenburgischer Münzen von A. Weyl und andere mehr, sind für den Münzsammler von bleibendem Wert. Für den Sammler und Anfänger sind Rentzmann' s numismatisches Legenden-Lexikon und Schlickeysen „Erklärung der Abkürzungen auf Münzen der neueren Zeit“, des Mittelalters und des Altertums sowie auf Denkmünzen und münzartigen Zeichen, brauchbare Hilfsbücher. Endlich sind auch in der dritten Auflage von Meyer's Konversation-Lexikon unter Münzwesen, Numismatik, Griechische Münzen, Römische Münzen, Denkmünzen, Brakteaten kurze, populär gehaltene, aus der Feder von A. von Salletherrührende Aufsätze über Münzkunde zu finden.