Die jüdischen Münzen

Wie bereits im § 4 erwähnt, bedienten sich die Juden erst verhältnismäßig spät der Münzen. Es ist zwar nicht unmöglich, dass Münzen aus Griechenland und Kleinasien bald nach ihrem Entstehen auch bis nach Palästina gelangt sind, doch haben dieselben dort jedenfalls noch nicht die Bedeutung eigentlichen Geldes gehabt, sondern sie sind nur als Metall betrachtet, beziehungsweise als ein eben solches Tauschmittel wie Gold- und Silberbarren behandelt worden. Erst während der babylonischen Gefangenschaft, aus der sie nach der Zerstörung des babylonischen Reiches durch Cyrus erlöst wurden (538 v. Chr.), hatten sich die Juden an den Gebrauch des Geldes gewöhnt und wir finden daher erst seit dieser Zeit wirkliche Münzbenennungen in der heiligen Schrift. Da jedoch die Juden nach der Rückkehr in ihr Vaterland unter testbild10px persischer Oberhoheit verblieben, so hatten sie auch damals noch keine eigenen Münzen. Sie bedienten sich vielmehr, wie sich aus den biblischen Berichten ergibt, der persischen Reichsmünze, des Dareikos und des medischen Siglos (vergleiche § II) , welcher später als Schekel (Sekel) ihre Hauptmünze wurde. Nach der Eroberung des persischen Reiches durch Alexander den Großen kam griechische Münze in das Land und blieb auch unter den Nachfolgern Alexanders, den Seleuciden und Ptolemäern, deren Botmäßigkeit die Juden abwechselnd unterworfen waren, lange Zeit im Gebrauch. Erst im Jahre 138 v. Chr., nachdem sie durch das Heldengeschlecht der Makkabäer ihre Unabhängigkeit wiedergewonnen hatten, gelangten die Juden in den Besitz des Münzrechts, welches sie bis zu ihrer vollständigen Unterwerfung unter die Römer ausübten. Sie prägten Silbermünzen (die bereits erwähnten Schekel) im Gewicht von 13,5 - 14,65 Gramm mit samaritanischer, zuletzt auch griechischer Aufschrift, sowie Kupfermünzen. Die Haupttypen dieser Münzen waren der Kelch, Blumen, Pflanzen und auf den Kult bezügliche Darstellungen, da das Gesetz die Darstellung von Bildern der Menschen und Tiere verbot.

Wir besitzen von Simon Makkabäus ganze und halbe Schekel vom Jahre 1 bis zum Jahre 5. Der am häufigsten beschriebene Schekel dieses Fürsten trägt auf der Hauptseite einen Kelch und in eigentümlichen, den phönizischen und samaritanischen Buchstaben ähnlichen Charakteren die Umschrift „Sekel Israels" und über dem Kelch „Sch(emath) b", das ist Jahr zwei (der Regierung Simons). Auf der Rückseite befindet sich ein Lilienzweig mit drei Blüten, sowie die Umschrift „Jerusalem die heilige".

Die Römer münzen aus

Nachdem im Jahre 63 v. Chr. Palästina den Römern tributpflichtig geworden war, scheinen Silbermünzen nicht mehr geprägt worden zu sein, da die Römer das „Ausmünzen“ der edlen Metalle in allen ihnen unterworfenen Ländern grundsätzlich untersagten. Auch sind uns von Herodes dem Großen (40 v. Chr. bis 4 oder 5 n. Chr.) tatsächlich bloß Kupfermünzen bekannt. Dagegen finden wir, wie uns das neue Testament lehrt, zur Zeit Christi den römischen Denar in Palästina allgemein im Umlauf. Es sei hier nur auf die Geschichte vom Zinsgroschen (Evangelium Matthäi, Capitel 22, Vers 15-2. 2) verwiesen. Die betreffende Stelle lautet nach der Vulgata: Wes ist das Bild und die Überschrift?).

Es kann hier also nur der römische Kaiserdenar, in welcher Münzsorte jedenfalls die Steuern entrichtet werden mussten, gemeint gewesen sein, und wenn in der Lutherischen Bibelübersetzung „Denar" mit „Groschen" wiedergegeben wird, so ist dies, wie in zahlreichen ähnlichen Fällen, als eine freie, auf den herrschenden Sprachgebrauch berechnete Übersetzung zu betrachten. Nur zu Zeiten, in welchen die Juden sich im Rufstande gegen die Römer befanden, kommen jüdische Silbermünzen vorübergehend wieder vor. So sind solche vielleicht während des ersten Aufstandes, welcher 66 n. Chr. begann und im Jahre 70 n. Chr. mit der Zerstörung Jerusalems endete, allerdings während des zweiten Aufstandes von 132-135 n. Chr. geprägt worden. Demnächst wurde in Jerusalem , nachdem es von Hadrian unter dem Namen Aelia Capitolina wieder aufgebaut worden war, eine römische Münzstätte eingerichtet, in welcher man bis in das dritte Jahrhundert Bronzemünzen prägte. Auch die Araber haben später dort Münzen schlagen lassen.