Die Technik der Münzprägung

Über die Art und Weise, in welcher die ältesten (griechischen und kleinasiatischen) Münzen hergestellt wurden, fehlt es uns gänzlich an schriftlichen Überlieferungen. Nach den angestellten Untersuchungen und wie der Augenschein lehrt, kann indessen die Herstellung der gedachten Münzen kaum in anderer, als in der im § 5 beschriebenen Weise stattgefunden haben. Es ist möglich, dass bei diesem Verfahren der Unterstempel, um das Verschieben oder Wegspringen des Schrötlings beim Prägen zu verhindern, vertieft und zwar dergestalt eingelassen war, dass der überstehende Rand demselben noch gestattete, sich unter der Wucht der Schläge seitlich auszudehnen. In erster Linie hatten aber jedenfalls die scharfen Kanten des eisernen oder stählernen Stempels, welche die quadratischen Eindrücke (das quadratum incusum) auf den Münzen hervorbrachten, den Zweck, die Schrötlinge festzuhalten. Ob man Letztere in kaltem oder in glühendem Zustande prägte, möge dahingestellt bleiben. Ersteres war, wenn auch schwieriger, so doch möglich, da die Metalle ursprünglich möglichst rein vermünzt wurden und in Folge dessen genügende Weichheit besaßen, um beim Schlage das Bild des Stempels aufzunehmen, die Dehnbarkeit der Metalle auch noch durch vorheriges Ausglühen derselben erhöht werden konnte. Ungleich leichter und besser musste indessen die Prägung ausfallen, wenn man die Schrötlinge in rotglühendem Zustande auf den Amboss legte. Jedenfalls wurde die oben beschriebene Art der Münzprägung aus freier Hand, wenn sie auch im Laufe der Zeit kleine Verbesserungen erfahren mochte, von den alten Griechen im Wesentlichen unverändert beibehalten, denn zu wie hoher Entwickelung auch die Stempelschneidekunst bei denselben allmählich gelangte, so blieb doch die Gestalt ihrer Münzen nach unsern heutigen Begriffen stets eine mehr oder weniger unförmige. So sind dieselben oft nichts weniger als kreisrund, mit beim Prägen entstandenen Sprüngen versehen und bei gleichem Wert und Gewicht von sehr verschiedener Größe und Stärke. Der Abdruck des Stempels deckt nicht immer genau den Schrötling und es ist daher ein Teil desselben manchmal ohne Prägung, während auf der entgegengesetzten Seite ein Teil des Münzbildes fehlt; die Münze ist, wenn der obere Stempel nicht gut aufgesetzt oder der Schlag nicht gerade geführt worden war, auf der einen Seite dicker oder von weniger klarer Prägung, als auf der entgegengesetzten Seite. Bei den ältesten römischen Kupfermünzen war in Folge ihrer Größe die beschriebene Prägeweise natürlich nicht gut anwendbar. Man goss daher die Münzen, wie an den noch vorhandenen Guss-Zapfen zu erkennen ist und gebrauchte dazu Sandformen. An manchen Stücken sind auch Spuren von Guss-Zapfen bemerkbar, woraus zu schließen ist, dass man eine Reihe Formen durch Gusskanäle mit einander verband und auf diese Weise mehrere Münzen zugleich herstellte. Ebenso gibt es Stücke, bei deren Guss die Form der Hauptseite nicht genau über der Form der Rückseite gelegen haben mag, da der Rand der ersteren über den der letzteren etwas hervorragt, oder umgekehrt. Als das Kupfergeld reduziert wurde und die Silberwährung aufkam, ging man dazu über, die Münzen im Wege der Prägung herzustellen. Die auf uns gekommenen Nachrichten über die Prägetechnik der Römer sind indessen ebenfalls äußerst dürftig und wenn auch anzunehmen ist, dass die Prägung im Wesentlichen aus freier Hand erfolgte, so zeigen doch die im Allgemeinen gut und gleichmäßig geprägten Denare etc., dass man es in der Münzkunst zu einem verhältnismäßig hohen Grade der Vollkommenheit gebracht und sich dabei zweckentsprechend konstruierter Werkzeuge und Instrumente bedient hat.

Die Prägewerkzeuge der Römer

Es gibt einen, für die Geschichte der Prägetechnik der Römer höchst interessanten, etwa aus dem Jahre 710 der Stadt herrührenden Denar des Münzmeisters T. Carisius, welcher auf der einen Seite die Aufschrift MONETA und den Kopf der Juno Moneta, in deren Tempel sich ursprünglich die Münzstätte befand, zeigt. Auf der andern Seite sind folgende Prägewerkzeuge dargestellt: ein Amboss, ein Hammer und eine kleine Zange. Der Letzteren bediente sich der Münzarbeiter, welchem es oblag, den glühenden Schrötling zwischen die Stempel zu legen, wo zunächst ein anderer Arbeiter, den Schlag auszuführen hatte. Das Geschäft, den Schrötling in die richtige Lage zu bringen, erforderte natürlich eine gewisse Übung und Geschicklichkeit, insbesondere wenn es nicht gelang, mit Einem Schlage des Hammers ein gutes Gepräge zu erzielen und das Stück deshalb wiederholt geglüht und zwischen die Stempel gelegt werden musste. Man scheint sich daher auch eines andern Werkzeugs, nach Art einer Flachzange, bedient zu haben, in deren inneren Flächen die Münzbilder vertieft eingegraben oder die Stempel eingelassen waren und mittels welcher man das dazwischen geschobene Metallstück dergestalt festhielt, dass mehrere Schläge, ohne dasselbe zu verrücken, auf die Münzzange geführt werden konnten. Die Schrötlinge selbst wurden bei den Römern, wie aus der Stärke der Münzen und den abgerundeten Rändern derselben hervorgeht, gegossen. Das Gleiche war wohl bei allen Münzen des Altertums der Fall. Nur die großen Bronzemünzen der Lagiden besitzen einen zwar schiefen, aber regelmäßigen und scharfen Rand, so dass die Annahme berechtigt ist , dass man bei denselben die Schrötlinge ebenso wie es heutigen Tages zu geschehen pflegt, mittels Durchstoßenes aus den Zainen herstellte oder dass man sie nachträglich abdrehte. Ebenso tragen diese Münzen zum Teil eine Vertiefung in der Mitte, welche entweder von einem aus dem Prägestempel hervorragenden und zum Festhalten des Schrötlings bestimmten Zäpfchen herrührt oder durch das Einklemmen des Schrötlings beim Abdrehen entstanden sein muss. Eine weitere Bereicherung unserer Kenntnis der römischen Prägetechnik zur Kaiserzeit bietet ferner eine kleine Präge-Maschine, welche J. Friedländer in dem Museum von Lyon gesehen und unter Beifügung einer Skizze in der Zeitschrift für Numismatik von A. von Sallet, Band V, beschrieben hat. Die gedachte Maschine ist in Lyon selbst gefunden worden und hat zur Prägung eines Aureus der jüngeren Faustina gedient. Sie besteht aus zwei viereckigen, eisernen Prismen von zusammen etwa 16-18 cm. Länge und wenigstens zu Anfang, wo das Relief der Münzen höher war, als in der späteren Zeit, gleich beim Guss für die nachfolgende Prägung vorbereitet, also dergestalt gegossen wurden, dass der bloße Schrötling schon ein rohes Bild des der Münze zu gebenden Gepräges bot. Bestärkt wird diese Ansicht durch den Titel, welchen die römischen Münzmeister führten: Tresviri auro, argento, aeri fiando feriundo, wobei das dem „ferire“, „schlagen, gießen“, auf die dem eigentlichen Prägegeschäft vorangehende Manipulation des Gießens hindeutet. Immerhin muss es, insbesondere bei einem wiederholten Ausglühen der vor gegossenen Stücke besonders schwierig gewesen sein, wenn dieselben ohne eigens für diesen Zweck konstruierte Apparate in richtiger Lage zwischen die Prägestempel gebracht werden sollten.

Gefütterte Denare

Über die Art der Herstellung der gefütterten Denare, (vergleiche § 13) war man bisher ebenfalls im Unklaren von Ernst sagt indessen in seiner Abhandlung über die Kunst des Münzens (Wiener numismatische Zeitschrift, Jahrgang XII,) von einem in dieser Beziehung angestellten Versuche: „Er tauchte eine rotglühend gemachte Kupfermünze in flüssiges Silber und diese überzog sich so vollkommen mit letzterem, dass, als sie geprägt worden, der Silberüberzug ebenso fest haftete, und die Münze dasselbe Aussehen darbot, wie die von Lenormant bewunderten monnaies fourrees." Diese Erklärung erscheint sehr glaubhaft und natürlich, insbesondere wenn man bedenkt, dass Silber äußerst dehnbar ist und dass selbst schwach verkupferter Eisendraht, wenn er nach der Verkupferung gezogen wird, sein ursprüngliches Aussehen behält. Der Verbrauch an Prägestempeln war bei den Römern, wie die ungemein vielen Stempelverschiedenheiten der Münzen ein und desselben Kaisers oft beweisen, ungemein groß. Es erklärt sich dies daraus, dass man zu den Stempeln oft zu weiches Material und, wie die Funde beweisen, selbst Bronze verwandte, dass sie aus diesem Grunde und in Folge der Mangelhaftigkeit des Prägeverfahrens sich sehr schnell abnutzten und dass man bei der Langsamkeit des letzteren und dem großen Bedarf an Münzen jedenfalls gezwungen war, gleichzeitig mit vielen Stempeln zu prägen. Die auf uns gekommenen Stempel tragen zum Teil an der gravierten Fläche einen über dieselbe hervorragenden Rand, welcher offenbar dazu bestimmt war, das Abspringen des Schrötlings beim Prägen zu verhindern. Das Gravieren der Stempel musste natürlich viel Zeit und Mühe erfordern, doch scheint man sich, wie Markl im achten Bande der Wiener numismatischen Zeitschrift nachweist, wenigstens bei Herstellung der Köpfe der Kaiser später einer Art Senkungs-Verfahrens bedient zu haben, da zwischen denselben zuweilen eine vollkommene, auf andere Weise nicht zu erzielende Gleichheit herrscht, während Umschrift und sonstige Beizeichen von einander abweichen und daher aus freier Hand mögen nach graviert worden sein. Jedenfalls erforderten der große Bedarf an Stempeln, die Unvollkommenheit der Technik und die Mangelhaftigkeit der Hilfsmittel eine außerordentlich große Menge von Münzarbeitern. Wie groß die Zahl derselben gewesen sein muss, lässt sich daraus schließen, dass bei der Unterdrückung eines Aufstandes der Münzarbeiter in Rom unter der Regierung Aurelians deren allein 7000 im offenen Straßenkampf umkamen. Mit dem Untergange des römischen Reiches geriet die Münzkunst, welche, wie wir bereits früher gesehen haben, schon in der letzten Zeit des Bestehens desselben sehr vernachlässigt worden war, ganz in Verfall. Sie gelangte auch nach Beendigung der Völkerwanderung und nachdem sich die staatlichen Verhältnisse in Europa konsolidiert hatten, während des ganzen Mittelalters nicht im Entferntesten wieder auf die hohe Stufe, welche sie im Altertum eingenommen hatte. Das Verfahren bei der Münzprägung im Mittelalter war im Wesentlichen dasselbe wie in der ältesten Zeit. Man schlug also die Münzen aus freier Hand mit dem Hammer und es rührt daher der noch heute für „Münzen prägen" vielfach im Gebrauch befindliche Ausdruck „Münzen schlagen". Dagegen wurden die Schrötlinge nicht mehr, wie früher, gegossen, sondern dadurch hergestellt, dass man sie aus gegossenen und dünn gehämmerten Zainen (Metallplatten) mit der Schere ausschnitt oder mit der Zange oder sonstigen Instrumenten ausriss. Die Münzbeamten und Münzarbeiter der deutschen Könige bildeten in der ältesten Zeit förmliche Genossenschaften, welche besondere Rechte und Privilegien besaßen. Die Stempelschneidekunst stand im Allgemeinen auf einer sehr tiefen Stufe und hob sich in Deutschland nur vorübergehend in der ersten Zeit der Brakteaten-Prägung. Über letztere haben wir bereits im § 26 eingehend gesprochen. Ein anschauliches Bild von der mittelalterlichen Münzprägung bietet ein im Geheimen Staatsarchiv zu Dresden aufbewahrtes, im Heft II, der Mitteilungen der numismatischen Gesellschaft in Berlin abgebildetes Siegel der Münzerhausgenossen zu Kuttenberg. Auf demselben sieht man einen in seiner Werkstatt sitzenden Münzarbeiter und vor ihm einen Amboss mit dem Unterstempel, auf welchem der Schrötling liegt. Mit der Linken hält er den auf letzteren aufgesetzten Oberstempel fest, während er mit der Rechten den Hammer erhebt, um den Schlag zu führen. Links von dem Arbeiter steht ein Tisch mit einer Anzahl von Schrötlingen, rechts eine Art Zählbrett, auf welchem die bereits geprägten Stücke liegen. Diese einfache Prägeweise wurde nicht nur während des ganzen Mittelalters, sondern selbst noch im 16. und 17. Jahrhundert beibehalten, wenigstens sehen wir auf dem im § 30 beschriebenen Bild den mit der Anfertigung von Münzen beschäftigten Mann die Manipulationen des Prägens genau so, wie eben beschrieben, ausüben. Bei den Talern und sonstigen großen Münzsorten war es allerdings, da die Hammerschläge mit besonderer Gewalt geführt werden mussten, für einen Arbeiter nicht mehr möglich, das Prägegeschäft allein zu verrichten, sondern es musste mindestens ein Arbeiter den oberen Stempel festhalten, während ein zweiter den schweren Hammer führte. Vielleicht bediente man sich auch dabei einer Art Fallhammer. Ferner ging man im 16. Jahrhundert dazu über, die Zaine durch Strecken mittels Walzen und die Schrötlinge mittels Durchstoßens aus den Zainen herzustellen. Dann kamen allmählich in den Münzanstalten Zeit und Menschenhände ersparende Maschinen, so insbesondere im 17. Jahrhundert die Spindel- und, Anfangs dieses Jahrhunderts die Kniehebelpressen in Gebrauch, bis sich schließlich die Prägetechnik zur heutigen Vollkommenheit entwickelte.