Die Stempelung der unterschiedlichen Städte in Deutschland

Das Verfahren der Stempelung ist uns aus verschiedenen Orten bekannt. Von der Zunft gewählte und vom Rate der Stadt bestätigte Meister, welche in dem Amt der "Schau" abgelöst werden, prüfen das vorgelegte Stück auf Güte der Arbeit und Vollwichtigkeit. Sie selber, oder auch der Wardein der Münze, bestätigen die Prüfung durch eine eingegrabene Zackenlinie, "Wüchsenzeichen" und ein bedrucktes Wachssiegel. Dann wird das Zeichen der Stadt eingeschlagen und zugleich vom Meister sein Meisterzeichen, welches er bei sich führt und durch Vergleich mit der Bleitafel als das richtige auszuweisen hat. An manchen Stellen gibt es einen besonderen Stempel für den Wardein, ferner haben manche Städte, z. B. Straßburg, ein besonderes Zeichen für Silber, das nicht in Straßburg gearbeitet, aber das selbst auf Vollwichtigkeit geprüft ist. In Frankreich kommen hierzu im 18. Jahrhundert noch Stempel der Steuereinnehmer, welche uns die Datierung dieser Arbeiten bis auf das einzelne Jahr ermöglichen. Eine besondere Gruppe von Stempeln sind die staatlichen Ausgangs-und Steuerstempel, u. a. der preußische Adler, oder auch „F W“ als Zeichen der Silbersteuer des Jahres 1809, der mit der Herkunft des Silbers nichts zu tun hat.

Acklybecher. Kgl. Schloß Berlin 0,20 hoch.Acklybecher. Kgl. Schloß Berlin
0,20 hoch.

Das Studium der Merkzeichen erweist zunächst die erstaunlich große Ausdehnung des Goldschmiede-Gewerbes, und zwar nicht nur für kleinere Gebrauchsgegenstände, sondern auch für künstlerisch ausgeführte Stücke. In dem Werk von Rosenberg sind 93 deutsche Städte genannt, aber die Liste ist damit noch weitaus nicht abgeschlossen. Schon jetzt ist eine Reihe weiterer Orte mit zum Teil erheblichem Betriebe bekannt, wie Kitzingen, Rostock, Stralsund. Es bleibt zu prüfen, wie weit sich eine Gemeinschaft der Formen in den einzelnen Städten, wenn auch zunächst nur in den hauptsächlichsten, erkennen lässt. Die starke Bindung innerhalb der Zünfte war durchaus geeignet, zu solchen gemeinsamen Formen zu führen. In Nürnberg musste nach Einführung der Reformation jeder Goldschmied behufs Erlangung der Meisterschaft außer drei kleineren Stücken als wichtigstes einen Ackleybecher liefern, d. h. einen Becher von der vorgeschriebenen Form der Aquileja-, der Ackleyblume. Auf diese Weise erhielt sich die in gotische Buckelung übertragene Form (nur in den aufgesetzten Ornamenten wechselnd) bis in das 18. Jahrhundert, die Meisterstücke wanderten in die Lade der Zunft und erhielten sich daselbst bis nach 1800. Jetzt sind sie überallhin verstreut, man kann über dreißig derselben nachweisen, ein Original im Rittersaal des Königlichen Schlosses. Die Ackleyform auch bei einem Dresdner Meister um 1600, in Riga noch 1654. Die Verwandtschaft der Formen wird ferner dadurch befördert, dass hervorragende Meister bei kleineren Gewerksgenossen auf Bestellung arbeiten lassen, und zwar nach denselben Modellen und sogar unter Ausleihung von Stempeln und Formen, die mechanisch übertragen werden. Wir sind daher jetzt schon in der Lage, gewisse charakteristische Züge der wichtigsten Arbeitsstätten, wie die von Nürnberg, zu erkennen, ebenso eine gewisse Gruppe von Augsburger Silberarbeiten des 16. Jahrhunderts, ferner den bestimmten Typus der Goldschmiede von Danzig im 17. Jahrhundert, welche für den polnischen Markt mit stark heraus getriebenen Medaillons und Blumenstücken arbeiten u. a. m. Wir dürfen aber nicht erwarten, dass sich eine derartige Charakteristik für alle Stellen oder mit völliger Sicherheit ergeben wird. Durch den deutschen Kunstbetrieb des 16. und 17. Jahrhunderts geht ein gemeinsamer Zug, der bedingt ist zunächst durch das Wandern der Gesellen, welche die Hauptorte ihres Betriebes, vor allem Nürnberg und Augsburg, aufsuchen, dann aber durch die Omament-Stiche, welche jede Wandlung des Geschmackes gleichmäßig überallhin verbreiten.