DEUTSCHLAND UND GOLD

Deutschland gehört zu der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt, gemessen am nominalen BIP, und die fünftgrößte, gemessen an der Kaufkraftparität. Der drittgrößte Exporteur von Waren in der Welt und das reichste Land in Europa. Deutschland ist das Land, das für seine Automobilindustrie, seine großartige Kultur und sein ausgezeichnetes Bier berühmt ist. Aber wie sind seine Verbindungen zum Goldmarkt?

Preis für Feingold in Euro

LegierungGewichtAnkaufspreis
999 Gold100 Gramm5.463,00 €

Deutschlands Goldreserven

Die offiziellen deutschen Bestände sind mit 3359,Tonnen (Stand September 2021) die zweitgrößten der Welt. Prozentual gesehen macht Gold 70,6 Prozent der deutschen Währungsreserven aus. Allerdings wurde ein Großteil dieses Goldes früher außerhalb des Landes gelagert. Daher hat die deutsche Zentralbank in den Jahren 2013-2017 fast 700 Tonnen von der Banque de France in Paris und der Federal Reserve Bank of New York zurückgeführt. Mittlerweile lagert etwas mehr als die Hälfte des Bundesbankgoldes in den eigenen Tresoren der Bundesbank in Frankfurt.

Deutsche Goldproduktion, -handel und -konsum

Deutschland ist weder ein bedeutender Produzent noch ein Exporteur von Gold. Allerdings ist das Land ein wichtiger Importeur. Im Jahr 2015 belegte Deutschland mit Goldimporten im Wert von 4,5 Milliarden Dollar den zehnten Platz. Dies sollte nicht überraschen, da die Deutschen viel Gold kaufen. Im Jahr 2016 belief sich die Verbrauchernachfrage in Deutschland auf 121 Tonnen. Insgesamt flossen in diesem Jahr 6,8 Mrd. Euro in deutsche Goldanlageprodukte. Außerdem kauften die Deutschen 2016 pro Person mehr Gold als die beiden anderen Goldmächte: Indien und China.

Der Deutsche Goldmarkt

Wie auch in der Schweiz herrscht auch in Deutschland eine starke positive Stimmung gegenüber Gold. Diese Liebe zum Gold rührt von der Erfahrung der Weimarer Hyperinflation in den 1920er Jahren her, die zu einer nationalen Skepsis gegenüber dem Papiergeld führte. Im Gegensatz dazu steht Gold für die Deutschen für Stabilität. Das ergab eine 2016 durchgeführte Umfrage des World Gold Council unter mehr als 2.000 deutschen Anlegern: 59 Prozent der Befragten stimmten der Aussage "Gold wird langfristig nie an Wert verlieren" zu, 48 Prozent stimmten der Aussage "Durch den Besitz von Gold fühle ich mich langfristig sicher" und 42 Prozent stimmten der Aussage "Ich vertraue Gold mehr als den Währungen der Länder" zu. Dies deutet darauf hin, dass Gold in der Tat als sicherer Hafen oder als Mittel zum langfristigen Vermögenserhalt wahrgenommen wird. Die Hinwendung der Deutschen zu Gold beschleunigte sich während der Großen Rezession. Die deutschen Anleger machten sich Sorgen um die Stabilität des heimischen Bankensystems und später, während der europäischen Staatsschuldenkrise, um die gesamte Eurozone und den Euro. Mittlerweile besitzen die deutschen Bürger mehr Gold als die Bundesbank über Goldreserven verfügt. Schätzungen nach liegen mehr als 9.000 Tonnen Gold der Bundesbürger in Schließfächern und Tresoren. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Goldbarren. Ein kleiner Anteil (etwa ein Drittel) der Goldanlagen bestehlt aus Goldmünzen. Dieser beträchtlich Anstieg mag den Steuervorteilen geschuldet sein, da Feingold nicht der Mehrwertsteuer unterlegen ist. Bei einer Haltedauer von einem Jahr kann Gold jederzeit steuerfrei wieder verkauft werden. Mittlerweile besteht jedoch vom Gesetzgeber die Auflage, das Gold nur noch unter einem Betrag von 2.000 Euro mit Bargeld gekauft werden darf, ohne persönliche Angaben zu machen. Ab einem Betrag von 2.000 Euro muss der Händler die persönlichen Daten des Kunden aufnehmen.

Deutsche Wirtschaft und Gold

Deutschland ist das wahre Kraftzentrum der Eurozone. Daher wirkt sich das, was in Deutschland geschieht, auf den Goldmarkt aus. Der Haupteinflusskanal ist der Währungskanal, da das gelbe Metall positiv mit dem EUR/USD-Wechselkurs zusammen hängt. Steigt dieser, so steigt auch der Goldpreis nach oben. Wertet der Dollar gegenüber dem Euro auf, sinkt der Goldpreis tendenziell. Der EUR/USD-Wechselkurs wird neben der Marktstimmung vor allem durch Zins-, Inflations- und Wachstumsunterschiede zwischen den USA und der Eurozone bestimmt. Wichtig ist dabei, dass Deutschland die führende europäische Volkswirtschaft ist, die 21,1 Prozent der gesamten Europäischen Union und 29,2 Prozent der Eurozone ausmacht. Daher sind die deutschen Entwicklungen von zentraler Bedeutung für die Wirtschaft der Eurozone, was sich wiederum auf die Stärke des Euro gegenüber dem US-Dollar auswirkt, und damit auch auf den Goldmarkt.