Königswasser

Gold ist ein Edelmetall, dessen Wertschätzung und der Ruf, krisensicher zu sein, nicht von ungefähr kommen. Auf der einen Seite ist Gold ein relativ seltenes Edelmetall. Pro Tonne Erz sind in der Regel nur wenige Gramm Gold enthalten, man spricht hier von ppm (parts per million) und redet vom ein- bis niedrigen zweistelligen Bereich (Bsp.: Olympic Dam/Australien enthält nur ca. 0,5 Gramm Gold pro Tonne).

HNO3 + 3 HCl ---> NOCl + 2 Clnasc. + 2 H2O

Andererseits gilt Gold als reaktionsträge und ist unempfindlich gegenüber Säuren. Das Edelmetall Gold gilt nicht umsonst als unverwüstlich. Allerdings mit einer Ausnahme. Königswasser lässt Gold im wahrsten Sinn des Wortes einfach verschwinden.

Aqua regis – das königliche Wasser

Königswasser ist aber keine Magie oder Hokuspokus, sondern einfache Chemie. Das Besondere: Königswasser besteht zu je einem Teil aus konzentrierter Salpetersäure und drei Teilen ebenfalls konzentrierter Salzsäure. Erst dieses Gemisch und dessen besondere Eigenschaften machen es möglich, Gold aufzulösen. Aus der oxidierenden Salpetersäure und der nicht-oxidativen Salzsäure entstehen Chlorverbindungen.

NOCl (Nitrosylchlorid) und das naszierende Chlor sind für das außergewöhnliche Verhalten von Königswasser den Edelmetallen gegenüber verantwortlich. Neben Gold reagiert das aqua regis auch mit Palladium oder Platin. Ausnahme ist Silber, dessen Oxidationsschicht das Metall vor der Wirkung des Königswassers schützt.

Königswasser – Anwendung früher und heute

Heute lässt sich die Zusammensetzung von Metallen auf unterschiedliche Art und Weise prüfen. Früher war dies nicht so. Königswasser blieb lange eine der wenigen Möglichkeiten, den Feingehalt zu prüfen. Eine Anwendung, die die Mischung aus Salpeter- und Salzsäure immer noch erfüllt. Gleichzeitig taucht es nach wie vor in Chemielaboratorien auf, um Proben aufzuschließen.

Früher wurde Königswasser in verdünnter Form übrigens auf in der Medizin verwendet. Das in Königswasser gelöste Gold geht übrigens nicht verloren. Es lässt sich selbst nach Jahren wieder zurückgewinnen – wie die Nobelpreismedaillen der Physiker Max von Laue und James Franck beweisen, die während der Besetzung Dänemarks in Königswasser die Zeit überdauerten.