Die Münzen der oströmischen Kaiser

Die Münzen der Kaiser des oströmischen Reiches umfassen einen Zeitraum von mehr als 1000 Jahren und sind daher sehr zahlreich. Sie sind überwiegend aus Gold oder Kupfer, selten auch aus Silber und tragen auf der einen Seite meist das Brustbild des Kaisers mit Helm oder Perlendiadem, oft auch daneben das Brustbild seines Sohnes oder der Mutter Gottes. Auf der Rückseite befindet sich für gewöhnlich das aus dem griechischen X und P zusammengesetzte Monogramm Christi, oder ein auf mehreren Stufen stehendes Kreuz oder das Brustbild des Heilands mit Nimbus (Heiligenschein) oder auch bloß eine Legende und die Wertbezeichnung, doch wird ein auf das herrschende Christentum bezügliches Beizeichen, nämlich das Kreuz, niemals fehlen. Die Aufschrift ist aus griechischen und lateinischen Buchstaben gemischt. Im Übrigen sind die Münzen der oströmischen Kaiser, welche unter einigen derselben auch schüssel-förmig geprägt wurden, meist ohne allen künstlerischen Wert. Der Stempelschnitt ist flach, die Bildnisse der Kaiser sind steif und eckig und ohne jede Portrait-Ähnlichkeit. Fast jeder Kopf gleicht dem andern. Von besonderem Interesse sind indessen die oströmischen Goldmünzen insofern, als sie während des Mittelalters lange Zeit die einzigen Goldmünzen waren und unter dem Namen Byzantiner in der ganzen damals bekannten Welt als Handelsmünze allgemeine Verbreitung hatten. Die oströmischen Kaiser maßen sich daher, altem Herkommen gemäß, auch das ausschließliche Recht der Ausprägung von Goldmünzen an. Wenn indessen dieses Recht lange Zeit von andern Fürsten scheinbar respektiert, oder von denselben wenigstens das Brustbild des Kaisers auf ihre Goldmünzen gesetzt wurde, so ist der Grund dieser Erscheinung weniger in der Anerkennung der römischen Oberhoheit, wie ein spätrömischer Schriftsteller (Procop) annimmt, als in dem Umstand zu finden, dass Münzen mit anderem Gepräge beim Volk schwer Eingang gefunden haben würden. Tatsächlich wurde auch das von den oströmischen Kaisern in Anspruch genommene Recht von den Merowingern und Langobardenkönigen nicht anerkannt, indem dieselben, wie wir später sehen werden, eigene Goldmünzen schlugen. Der Solidus (Byzantiner), dessen Gehalt unter den verschiedenen Kaisern sehr verschieden war, trägt häufig auf der Rückseite im Abschnitt die Anfangsbuchstaben der Prägestätte CON (staniinopolis) und das Wertzeichen OB (1/72 des Goldpfundes).