Beginn der Münzprägung in Italien

Während die asiatische Geldprägung vom Gold und die griechische vom Silber ausgegangen ist, bedienten sich die rohen und armen Urvölker Mittelitaliens, auch die Römer, anfänglich nur des Kupfers zur Herstellung ihrer Münzen und gingen erst später zur Silber- und Goldprägung über. Das älteste Tauschmittel der genannten Völker war ebenso wie bei den Griechen im Zeitalter Homers, das Vieh, vorzugsweise das Rind und das Schaf, und zwar wurde, wie aus den späteren Umsetzungen der uralten, formell bis in spätere Zeit lediglich das Verhältnis, in welches unser Silbergeld durch das Reichsmünzgesetz zum Gold gesetzt ist. Die Berechnung ist hiernach nur eine Relative, für den vorliegenden Zweck aber am geeignetsten, indem sie nicht den Metallwert der griechischen Münze nach dem heutigen Kurs des Silbers feststellen, sondern uns ein annäherndes Bild vom Wert der griechischen Münze im Vergleich zu dem Geltungswert unseres heutigen Geldes geben soll. (Vergleiche § 6, Wertbestimmung der römischen Münzen) Als jedoch das Bedürfnis des Verkehrs und das Beispiel anderer in der Kultur modernerer Völker dahin führten, neben dem Vieh noch andere Wertmesser anzuwenden, wählte man dazu das gebräuchlichste Nutzmetall, aus welchem in Italien die ältesten Waffen und Ackergeräte hergestellt wurden, nämlich das Kupfer. Das Kupfer zirkulierte anfänglich in formlosen Stücken, welche man miteinander abwog, erst später ging man dazu über, dasselbe in viereckige Formen, Barren zu gießen, welche bis zu fünf römischen Pfund wogen. In Rom war nach den Überlieferungen römischer Schriftsteller Servius Tullius (578-535 v. Chr.) der erste König, welcher ein gesetzliches Zahlungsmittel herstellte, indem er die Barren mit Marken versehen oder richtiger gesagt, in Formen gießen ließ, welche auf beiden Seiten gewisse Zeichen oder Bilder trugen. Am häufigsten begegnen wir auf diesen Barren dem Bild eines Rindes oder Schweines oder eines andern Stückes Vieh, woher dann auch das lateinische Wort für Geld abgeleitet wurde, wenn nicht der Ursprung dieses Wortes in dem Umstand zu suchen ist, dass der vornehmste Besitz und das älteste Tauschmittel der Römer überhaupt das Vieh war. Diese unter Servius Tullius zuerst geschlagenen, beziehungsweise mit Bildern versehenen Kupferbarren waren stattdessen noch nicht auf ein bestimmtes Gewicht gegossen, sondern setzten den Gebrauch der Wage voraus und die Marke war daher nur zum Zeichen angebracht, dass die auf diese Weise kenntlich gemachten Stücke allgemeines gesetzliches Tauschmittel sein sollten. Erst zur Zeit ist man darauf gekommen, das Kupfer mit Wertzeichen und dem Wappen der Stadt zu versehen, es somit unabhängig von der Wage zu machen und ihm dadurch die Geltung der Münze zu verleihen. Die Münzeinheit wurde der „As“ im Normalgewichte eines römischen Pfundes zu 12 Unzen = 327,43 Gramm, doch wurde derselbe, wie einige Funde beweisen, durchschnittlich nur auf etwa 10 statt 12 Unzen, also niedriger ausgebracht. Auch war das Kupfer mit etwas Blei und Zinn versetzt. Teile des As waren der Semis, der Triens, der Quadrans, der Sextans und die Unze, welche also gleichzeitig zur Bezeichnung eines Gewichtes und des zwölften Teils der Münzeinheit diente. Diese Münzen, neben welchen die viereckig gegossenen Stücke noch längere Zeit im Umlauf geblieben sind, waren von runder Form und hatten ein hohes Relief. Ihr Stil war roh, aber markig. Sie wurden, weil ihre Größe die Prägung schwierig machte, gegossen und trugen alle auf einer Seite das Bild der Galeere, welches nach Mommsen wahrscheinlich das althergebrachte, um die Zeit des Decemvirats sich eben neu befestigenden Stellung Roms hervorgegangene Stadtwappen war. Auf der andern Seite waren verschiedene Götterköpfe dargestellt, und zwar: Janus auf dem As, Jupiter auf dem Semis, Minerva als Erfinderin der Zahlen auf dem Triens, Herkules als Wahrer und Vermehrer des Vermögens auf dem Quadrans, Mercur als Beschützer des Handels auf dem Sextans und ein weiblicher Kopf mit Helm, welchen einige wieder als den der Minerva betrachten, während andere ihn als den Kopf Öder Roma deuten, auf der Unze. Außer den eben beschriebenen Bildern finden sich auf dem As und seinen Teilstücken noch die Wertbezeichnungen: i für As, S für Semis und bei den kleineren Astheilen, je nach der Zahl der Unzen, welche Mommsen, Geschichte des römischen Münzwesens.

Das römische Schwergeld

Man nennt dieses älteste römische Geld das römische Schwergeld und den Fuß, nach welchem es gegossen ist, den „Libralfuß“, weil demselben das römische Pfund (Libra) zu Grunde lag. Zu derselben Zeit wie in Rom wurde auch in andern Teilen Italiens, sowie in Sizilien und auf Lipara ähnliches Schwergeld gemünzt, doch ist der Stil desselben nach den Völkerschaften verschieden. So trägt das Schwergeld der Etrusker, welche in allen Metallarbeiten bewandert waren, flachere Darstellungen von zierlichem Charakter und in Kampanien, wo sich frühzeitig griechischer Einfluss geltend gemacht haben mag, schönere und weichere Modellierung, als auf den Münzen der Römer. Auch ist, während bei Letzteren die Typen unverändert blieben, bei den übrigen italischen Völkern, namentlich den Campanern ein häufiger Wechsel derselben bemerkbar. So finden wir auf dem Schwergelde der italischen Völkerschaften die Köpfe verschiedener Gottheiten, Tiere und viele andere Gegenstände dargestellt. Bestimmten Städten können zugeteilt werden und zum Teil auch mit Aufschriften oder den Anfangsbuchstaben des Ortsnamens versehen sind die Münzen von Volaterrae in Etrurien, Iguvium und Tuder in Umbrien, Ariminium, Hatria, und Luceria.