Goldschmiedearbeiten in sonstigen Länder

Reliquientafel. Portugal 1588. 0,50 hoch.Reliquientafel. Portugal 1588. 0,50 hoch.

Frankreich, das schon gegen 1300 die Abstempelung einführte, hat über seine älteren Goldschmiedearbeiten literarisches Material gesammelt, welches das hohe Ansehen erkennen lässt, in welchem die Kunst dort gestanden. Schon im 16. Jahrhundert gehören Goldschmiede zu den Künstlern, welchen Werkstätten im Louvre eingeräumt werden. Cellini hat 1537 und 1540-1545 in Paris gelebt und dort Schüler hinterlassen. Von ausgeführten französischen Arbeiten des Mittelalters und der Renaissance sind dagegen nur vereinzelte Stücke erhalten. Im Kunstgewerbe- Museum, eine kastenförmige Monstranz auf Fuß von 1541. Von den Ornament-Stechern ist der wichtigste Etienne de Laulne 1519-1583, welcher seinen Wohnsitz zeitweilig in Straßburg und Augsburg hatte. In Spanien hat sich eine höchst überladene mit maurischen Elementen durchsetzte Gotik bis spät in das 16. Jahrhundert erhalten. Das Zuströmen von Gold aus der Neuen Welt zeitigte eine unerhörte Pracht massiven Gerätes, welches schnell wieder zerstört wurde. Erhalten sind im Lande kirchliche Geräte, zum Teil große Aufbauten für Aufnahme der Monstranz-Custodia. In den eigentümlichen Formen der spanischen Renaissance eine Reliquienmonstranz 1588 aus Coirnbra in Portugal, ferner zwei Kelche und ein Ciborium und der schöne Fuß eines Kruzifixes aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, aus Kupfer getrieben und vergoldet auf geschweiftem Fuß und kantigem Schaft die Fassung eines viereckigen Spiegels, Mitte des 16. Jahrhunderts. Kannen und Becken von portugiesischer Arbeit mit einer dicht gedrängten Masse von Figuren in Wien und in der Sammlung des verstorbenen Königs von Portugal. England hat bereits 1238 in London eine Goldschmiedeinnung, die 1327 schon eine Ordnung erhält. Die Eintragungen in der Halle der Goldschmiede sind ebenfalls früh geregelt, seit 1363 Meisterzeichen, seit 1438 Jahresbuchstaben, sodass uns die »Hall-Marken « einen völlig sicheren Anhalt über die Entstehung der Stücke geben. Aber die Stücke selbst aus dem 16. Jahrhundert sind sehr selten. England scheint in dieser Zeit unter dem Einfluss deutscher Kunst gestanden zu haben. Hans Holbein entwarf 1526-1528 und 1532-1543, was für den Hof gebraucht wurde, dennoch ist ein Bericht von 1613, der besagt, »bis vor nicht langer Zeit seien alle Goldschmiede in London Deutsche gewesen«, stark übertrieben.

Von ausgeführten Arbeiten besitzt das königliche Schloss in Berlin zwei große Feldflaschen mit schöner Gravierung von 1579, davon eine nachgebildet. Ein Pokal von 1611 aus englischem Privatbesitz. Die Niederlande haben im 16. Jahrhundert für die Goldschmiedekunst wohl eine größere Bedeutung gehabt, als man bisher hat nachweisen können. Ornament-Stiche sind nicht genügend vorhanden, aber die Bilder der Zeit zeigen die große Vorliebe für Prachtgerät in einer überreichen Nachbildung der italienischen Renaissance, welche dorthin früher gelangt ist als nach Deutschland. Zu den bisher als niederländisch erkannten Arbeiten gehört eines der Hauptstücke des Louvre, Kanne und Schale mit Darstellung der Eroberung von Tunis durch Karl V., in Silber und farbigem Schmelz, gearbeitet in Antwerpen 1535, beide Geräte bedeckt mit einer von kleinen Figuren wimmelnden historisch getreuen Darstellung, von trotzdem dekorativem Gesamtcharakter. Arbeit von Antwerpen ist auch ein Hauptstück des Schatzes des Kreml, eine Kanne mit Perlmutt-Einlagen. In ähnlicher Art einige Kannen in belgischem Privatbesitz, in Amsterdam das Horn von 1566, in Vere der Becher von 1546, vielleicht auch Stücke in Wien und Florenz.

Kanne mit der Eroberung von Tunis. Antwerpen 1535. 0,46 hoch.
Kanne mit der Eroberung von Tunis. Antwerpen 1535. 0,46 hoch.

Besonders beliebt sind in der niederländischen Kunst die Schalen, die wir auf den gemalten Stillleben häufig dargestellt finden. Auch als Form für Ehrengeschenke: Die Schale von Breda, ein hohes Deckelgefäß, ganz als Schaugerät ausgebildet, ist im Jahre 1595 von den holländischen Ständen dem Grafen Philipp von Hohenlohe als Hochzeitsgeschenk überreicht zur Erinnerung an die Eroberung der Stadt Breda, bei welcher er werktätig Hilfe geleistet hat. Auf Böden und Deckel der Schale innen und außen sind die betreffenden Vorgänge ganz genau mit Plänen und Verschanzungen, teils in erhabener Arbeit, teils graviert dargestellt und mit Zahlen versehen, welche sich auf eine ausführliche Beschreibung beziehen.

Schale von Breda. Holland 1595. 0,61 hoch
Schale von Breda. Holland 1595. 0,61 hoch

Wahrscheinlich niederländisch sind die 12 Schalen in den jetzt zerstreuten Sammlungen Spitzer und Rothschild mit antiken Darstellungen und den freistehenden Figuren der Cäsaren in der Mitte der Schale. Unter den Ornament-Stechern des 16. Jahrhunderts zeigt Vredemann de Vriese um 1560 sehr starke Anlehnung an italienische Arbeiten. Im Banne der italienischen Kunst erscheint auch der vortreffliche Utrechter Meister Paul van Vianen, welcher die malerische Wirkung des Reliefs mit einer sonst kaum erreichten Freiheit und Meisterschaft beherrscht, ähnlich hierin dem Eisenhoit, der wie Vianen in Rom gebildet ist, sodass wir in den Arbeiten dieser beiden Meister einen Abglanz von der italienischen Kunst um 1570 gewinnen. Theodor de Bry, Adam van Vianen († 1627) ist durch zahlreiche Ornament-Stiche der Vertreter eines schwülstigen, mit Fratzen und Gesichtsteilen durchsetzten Knorpelstiles. Die Stiche des Niederländers Goltzius, († 1617) geben ihrer Zeit die beliebtesten Vorbilder für figürliche Darstellungen. Die Schweiz erscheint im wesentlichen dem deutschen Betrieb angeschlossen. Von Zunftsilber bürgerlichen Charakters ist dort vieles noch im alten Besitz. Dänemark hat schon 1491 selbständige Marken, erhält aber seinen Bedarf an künstlerischen Stücken vorzugsweise aus Deutschland.