Das Treiben & Ciselieren bei der Herstellung von Schmuck

Unter Ziselieren versteht man die Form der Metallbearbeitung, bei der das zu bearbeitende Metall anstatt geschnitten zu werden, über eine weiche Unterlage mit Hammer und Punzen getrieben oder gedrückt wird, so dass Linien und plastische Formen entstehen. Diese sehen häufig ähnlich aus wie Abgüsse von negativen Hohlschnitten, sie haben allerdings weichere Kanten. Zur Hervorbringung der Erhöhungen und Vertiefungen nutzt man verschieden geformter Stahlstifte oder Punzen. Dabei muss das Blech auf einem Körper liegen, der dem Druck des Punzens nachgibt, gleichzeitig aber so viel aushält, dass nur die Stelle einen Eindruck erhält, auf welche der Punzen geschlagen wird.

Hier sehen Sie wie eine Adjudantenkette ziseliert wird:

Das Treibplech

Diesen Anforderungen entspricht nur das Treibpech, eine Mischung aus Pech und Ziegelmehl, mit etwas Talg, Wachs oder Terpentin. Je nach dem gewünschten Härtegrad wird mehr oder weniger Ziegelmehl beigemischt. Im allgemeinen verwendet man zwei Teile schwarzes Pech und einen Teil Ziegelmehl. Um das Stück, das bearbeitet werden soll, richtig handhaben zu können, wird es auf einer Treibkugel (vgl. Kapitel: Gravieren) gekittet. Hierbei handelt es sich um eine hohle eiserne Halbkugel, die auf einen entsprechend geformten Lederring aufgesetzt wird und in alle Richtungen gedreht werden kann. Das Blechplättchen wird mit einem ringsum laufenden Rand versehen, um mehr Halt zu haben. Beim Aufkitten wird, um hohle Stellen zu vermeiden, der geschmolzene Kitt an die Rückseite des Bleches gegossen und es so auf dem Kitt, mit dem die Innenfläche der Treibkugel übergossen ist, befestigt.

UniversalofenDie vom Ziseleur benutzten Hämmer sind die gleichen, wie sie bei dem Kapitel über das Gravieren besprochen wurden und abgebildet sind. Es gibt die verschiedensten Abstufungen bezüglich der Größe und dem Gewicht. Die Form der eigentlichen Hammerbahn ist immer die gleiche. Der hintere Teil des Hammers ist entweder angespitzt oder knopfförmig und wird beim Ausarbeiten der Modellierung in gewissen Fällen mitbenutzt.

Die aufgemalte Zeichnung wird zuerst mit dem Spitz-Punzen punktiert oder mit einer Radiernadel angerissen. Die Arbeit mit Hammer und Punzen bringt auf der bearbeiteten Seite des Bleches nur Vertiefungen hervor. Erhöhungen müssen stets von der anderen Seite des Stückes hervorgetrieben werden.

Um die Zeichnung während der Arbeit nicht zu verlieren und um sie gleichzeitig auch für das nachher erfolgende Auftiefen auf der Rückseite zu haben, werden die Umrisse zunächst mit kräftigen Linien eingeschrotet, mit dem Lauf-, Schrot- oder Zieh-Punzen (Tracoir), der in einer geraden und einer halbrunden Form (für gekrümmte Linien) benutzt wird. Ein guter Ziseleur kann unter Umständen das Einschroten der Umrisse auch weglassen. Er wird dadurch eine viel größere Weichheit im Aussehen der fertigen Arbeit erzielen

Werkzeuge die zur Punzierung genutzt werde:

Ist die Arbeit weiter voran gegangen, wird das Blech von der Kitt-Unterlage gelöst, was durch Erwärmen am Feuer, meistens mit Hilfe der Lötpistole, geschieht. Das noch am Arbeitsstück haftende Treibpech wird abgebrannt, das Blech wird geglüht und gereinigt. Darf der Gegenstand nicht mehr ins Feuer kommen, dann wird er mit Ätzkali ausgesotten oder mit Spiritus und Terpentin-Öl gereinigt. Zum Auftiefen kann man es nun, mit der Rückseite nach oben, wieder auf die Treibkugel aufkitten.

Praktischer ist es aber, diese Manipulation auf einer Unterlage aus besonders weichem Treibpech vorzunehmen. Man wärmt sie vorher an und reibt sie mit Federweiß ein (gemahlener Talk, Speckstein, Steatit oder gemahlener Alabaster), damit sie nicht klebt, und legt das Arbeitsstück verkehrt herum darauf.

Das Heraustreiben der erhöhten Teile von der Rückseite geschieht zunächst, um das Metall zu schonen, mit Holz-Punzen verschiedener Dicke. Damit kann jedoch keine bestimmte Modellierung hergestellt werden. Man erhält nur rundliche Vertiefungen oder Erhöhungen unbestimmter Form. Deshalb arbeitet man anschließend mit den stählernen Modellier-Punzen nach, bis die plastische Form fertig ist. Nachdem die Blechplatte wieder in der richtigen Lage auf die Treibkugel aufgekittet wurde, kann jetzt auf der Vorderseite das eigentliche Ziselieren beginnen

Das Ziselieren

Für die ersten Bearbeitungsschritte nutzt man die Setz-Punzen. Sie haben eine flache Bahn, die sich in unterschiedlichen Formen zeigen kann, je nach der Form die hergestellt werden soll. Damit wird der Grund hergestellt, genau nach den Umrisslinien, sodass die Auftiefungen in genauer Form und Zeichnung erscheinen. Das feinere Modellieren der plastischen Form geschieht mit Hilfe der Modellier-Punzen, die einen viereckigen Querschnitt und eine halbkugel-förmige bis flach gewölbte Bahn haben. Dazu kommen noch die Perl-Punzen, zur Hervorbringung von kreisrunden Vertiefungen oder Erhöhungen. In der Arbeit mit den Modellier-Punzen zeigt sich erst die künstlerische Selbständigkeit des Ziseleurs. Es genügt nicht, dass er die Modellierung seiner Arbeit deutlich und richtig hervorhebt. Fest und feinfühlig muss seine Hand das Werkzeug über das Metall führen, er muss die Stärke seiner Schläge einschätzen können. Er darf keinen Schlag zu viel oder zu wenig machen und sollte auf keinen Fall falsche Schläge ausführen.

Stellt sich während des Modellierens heraus, dass eine Stelle nicht genügend aufgetieft wurde oder ist während der Arbeit irgendwo zu sehr in die Tiefe gehauen worden, dann muss das Blech herausgelöst und von der Rückseite entsprechend bearbeitet werden. Bei dieser Gelegenheit wird es geglüht, zum einen um es zu reinigen, zum anderen auch um spröde Stellen zu beseitigen. Verbogene Arbeitsstücke können aufgearbeitet werden. Manchmal passiert es, dass das ganze Arbeitsstück sich verbiegt. Dann wird es von der Kittkugel genommen, gut gereinigt und gerichtet. Dies geschieht auf dem Amboss, zuerst mit dem Holzhammer, dann mit dem eisernen Planier- oder Schlichthammer und schließlich mit Holz-Punzen, wobei natürlich sehr darauf geachtet werden muss, das Stück nicht zu beschädigen. Auf diese Weise wird letztendlich die plastische Behandlung des Arbeitsstückes beendet.

Zur feineren Bearbeitung werden, außer den Punzen, noch verschiedene Schaber, Riffel-Feilen und die verschiedenen Poliermittel des Goldschmiedes benutzt. Allerdings müssen diese mechanischen Mittel eher mit Vorsicht angewandt werden, um der fertigen Arbeit nicht ein charakterloses, verschlissenes Ansehen zu geben. Wer Hammer und Punzen richtig zu führen weiß, lässt die ungewollten Rückstände der Arbeiten verschwinden und hebt die Schönheit des Stücks hervor.

Das Handwerk des Ziseleurs

Das Gleiche gilt für die verschiedenen Arten der Oberflächenbehandlung, wie sie in den Ziseleur-Werkstätten üblich sind. Es handelt sich hierbei um die verschiedenen Mattierungen:

  • Staubmatt und Kreuzmatt
  • Fadenmatt

die alle dadurch hervorgerufen werden, dass der angewendete Punzen an seiner Arbeitsfläche gemustert, punktiert oder geraut ist, und er seine Musterung in gleichmäßigem Einschlagen auf den Metallgrund abzeichnet. Auch kleine Laufrädchen werden zur Belebung und Bemusterung des Grundes benutzt.

Die Variationen dieser Bearbeitungsweise sind nahezu unbeschränkt und können von jedem Ziseleur nach Belieben angefertigt werden. Der Wert und die Schönheit einer getriebenen Arbeit steigt allerdings nur dann an, wenn diese mechanische Flächenbehandlung sehr diskret und geschmackvoll ausgeführt wird. Alle bisher angeführten Punzen werden in den verschiedensten Größen und Formen benutzt und aus den rohen Stahlstiften („Pranteln") vom Ziseleur selbst angefertigt. Ein gut eingerichteter Ziseleur hat 200-250 oder noch mehr Punzen vorrätig.

Kleine Einzelheiten, wie Blumen oder Blätter, können auch ganz frei getrieben, d.h. auf der Bleiunterlage per Hand gemacht werden, so dass sie gar nicht aufgekittet zu werden brauchen. Dieses Verfahren erfordert ein hohes Maß an Können, bringt jedoch meistens eine sehr schöne Endform hervor.

Das Treiben und Ziselieren ist die künstlerisch wertvollste Bearbeitungsweise des Edelmetallbleches. Eine ziselierte Arbeit muss, im künstlerischen und modernen Sinn, vor allem von dem Standpunkt aus gearbeitet sein, dass die schönen Eigenschaften des Schmuckstücks sich entfalten können. Hierbei ist sowohl blitzender Glanz auf der Oberfläche des Schmuckstücks, als auch eine zerhackte, raue Oberfläche zu vermeiden: Vielmehr soll ein weicher Schimmer über dem Ganzen liegen. Alles was gewaltsam und möglichst hoch heraus getrieben wurde oder auch alles Ausgetüftelte, Harte und Detaillierte widersprechen der Natur eines solchen Schmuckstücks. Eine fließende, großzügige Modellierung, eine schlichte, klare, weiche Formgebung nur kann als „Stil" der Metall-Ziselierung bezeichnet werden. Und noch etwas muss berücksichtigt werden. Ziselieren ist Handarbeit!

Ihre Erzeugnisse können durch mechanische Hilfsmittel, durch Gießen, durch Pressen und den galvanischen Schlag zwar nachgeahmt werden, sie können dem richtigen Ziselieren jedoch nicht das Wasser reichen. Allerdings sind mechanisch hergestellte und nachgeahmte Ziselierarbeiten wesentlich günstiger als die handwerklich hergestellten.

Was aber nicht nachgeahmt werden kann, das ist die ausdrucksvolle Lebendigkeit der Oberfläche, die hervorgerufen wird durch die künstlerische und feinfühlige Punzenarbeit. Diese zu entwickeln und zu steigern muss das Ziel jedes Ziseleurs sein, wenn die künstlerische Handarbeit wieder den ihr gebührenden Platz neben der mechanischen Reproduktion einnehmen soll. Sein Werk muss, durch Hammer und Punzen hindurch, den Anschlag der Künstlerhand wiedergeben, nur dann wird das Schmuckstück ein Kunstwerk werden.

Das Guss-Ziselieren

Von diesem Standpunkt aus betrachtet, gewinnt auch das Guss-Ziselieren eine wichtigere Bedeutung: Man versucht mit dem Guss-Ziselieren dem Schmuckstück die lebendige Oberfläche zu geben, die der mechanisch erstarrten Gusshaut normalerweise fehlt. Diese ist jedoch meistens spröde und wenig zur Bearbeitung geeignet: Es kommt also zunächst darauf an, diese Gusshaut zu entfernen. Man kann den Guss entweder auf die Kittkugel aufkitten, oder, wenn er stark genug ist, auch einfach in einen mit Blei- oder Holzbacken versehenen Schraubstock einspannen. Sämtliche Gussnähte werden mit Feile und Meißel beseitigt und die Konturen mit dem Lauf-Punzen nachgearbeitet, den dabei entstehenden Grat beseitigt man durch das Überarbeiten mit einem schrägen Setz-Punzen. Die Gusshaut wird zunächst durch Riffeln mit der Riffelfeile soweit wie möglich entfernt, die dadurch entstandenen Risse werden mit dem Schaber wieder geglättet.

Nach dem Schaben schleift man den Gegenstand mit den verschiedenen Schleifmitteln, woraufhin er nochmals überarbeitet wird. Der künstlerische Schwerpunkt der Guss-Ziselierung liegt in der stofflichen Charakterisierung der durch den Guss hergestellten Formen. Haut, Haare, Gewebestoffe, Blumenblätter und ähnliches können bei geschickter Bearbeitung dadurch zu einer wahrhaft künstlerischen Kontrastwirkung gebracht werden, wie sie der moderne Schmuck erfordert.