Was ist eine Affinerie?

Als Affinerie oder Scheideanstalt bezeichnet man eine Anlage, in der Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin oder Palladium von Verunreinigungen befreit werden. Das reine Edelmetall wird dann von dort aus als Barren oder Halbzeug an Händler verkauft. Für die Herstellung der reinen Edelmetallbarren werden verschiedene Verfahren verwendet.

Zunächst muss das Metall von der Affinerie angekauft werden. Es werden diverse Rohstoffe angekauft. Dazu gehören beispielsweise Schmuck und Zahngold Verstorbener, aber auch Edelmetalle aus der Industrie. Das Metall aus der Industrie stammt zum Beispiel von Katalysatoren, Elektroschrott, Elektrolytsilber, Thermosilber oder Thermodraht. Diese Rohstoffe sind meist mit anderen Metallen verschmolzen, und die Trennung geschieht mittels der thermischen und der mechanischen Aufbereitung. Hierbei wird der unterschiedliche Schmelz- und Vergasungspunkt der Metalle genutzt.

Thermische Aufbereitung

Bei der thermischen Aufbereitung werden die Edelmetalle verascht, geschmolzen und getrocknet. Falls Rohstoffe angeliefert werden, die Restfeuchte enthalten, werden diese als erstes getrocknet. Danach werden die Rohstoffe werden in die Veraschungsanlage gegeben, wo sie verbrennen. Alle Nicht-Metalle veraschen bei Temperaturen um 1.200° Celsius. Rückstände aus der Elektroindustrie, wie Edelmetallpasten in Dosen, Schlämme, Folien und Wischtücher mit Edelmetallhaftungen können so besonders gut entfernt werden. Die Abgase, die bei der Veraschung entstehen, werden umweltgerecht entgiftet und zurückgebliebene Gefahrenstoffe werden fachgerecht entsorgt.

Danach werden die übrigen Metallegierungen bei 1.800° Celsius von einer induktiv betriebenen Anlage eingeschmolzen. Daraus werden Proben entnommen, um den genauen Edelmetallgehalt festzustellen. Die verschiedenen Metalle werden dann durch ihre unterschiedlichen Gewichte und Härtungspunkte getrennt, und es werden elektrolytische und nasschemische Verfahren eingesetzt.

Mechanische Aufbereitung

Bei diesem Verfahren wird das Edelmetall geschreddert, gemahlen und dann gesiebt. Das passiert entweder vor oder nach der thermischen Aufbereitung. Durch Zerkleinern und Durchmischen wird das Recyclingmaterial homogenisiert. Für diesen Vorgang werden Spezialschredder, Schneidgranulatoren, Hammermühlen, Siebkugelmühlen, Mischaggregate, Magnetseperatoren und Siebsysteme verwendet. Welche Technik für die mechanische Aufbereitung eingesetzt wird, entscheidet sich durch die Größe der einzelnen Teile und nach dem Material. Teilweise wird die Zerkleinerung in vielen Etappen durchgeführt, bis die Kugelmühlen eingesetzt werden, die Körner mit 0,6 Millimeter Durchmesser herstellen können. Auch bei dieser Form der Aufbereitung werden Proben genommen, um den genauen Wertstoffgehalt festzustellen.

Edelmetalle werden im Probelabor untersucht

Nach diesen Aufbereitungsverfahren beginnt die Arbeit im Probelabor. Hier werden die Edelmatalle gemischt, feingemahlen und homogenisiert, damit der exakte Edelmetallgehalt bestimmt werden kann. Um die Feinanalyse durchzuführen werden Korngrößen von 0,125 bis 0,2 Millimeter Durchmesser hergestellt und dann wieder homogenisiert. Das entstandene Pulver wird dann im Feinlabor analysiert. Dazu wird eine spezielle Software verwendet, die den genauen Edelmetallgehalt bestimmt. Dieser ist essenziell als genaue Abrechnungsgrundlage beim Verkauf des Edelmetalls.

Edelmetallrückgewinnung

Um Legierungen, die schmelzbar sind, zu trennen, werden Kupfer- und Silberelektrolyseverfahren, sowie nasschemische Verfahren angewandt. Dadurch erhöht sich der Reinheitsgehalt der Metalle um ein Vielfaches. Falls eine Schmelzung danach nicht möglich ist, wird die Naturaltrennung angewandt. Dabei wird das Edelmetall gefiltert, ausgefällt und gewaschen.

Beim Gekrätzverfahren wird die edelmetallhaltige Asche, die im Verbrennungsofen entstanden ist, durch den Schmelzprozess oder durch nasschemische Verfahren voneinander getrennt.

Welche Produkte stammen aus einer Affinerie?

In einer Affinerie werden hauptsächlich Barren, Münzen und Halbzeug hergestellt. Als Halbzeug bezeichnet man zum Beispiel Scharniere, Rohre, Drähte, Bleche und Stangen. Diese werden dann der Industrie zur Verfügung gestellt. Die verwendet sie dann zur Herstellung von Schmuck, in der Medizintechnik und in der Fahrzeug- und Elektroindustrie. Dafür werden spezielle Edelmetall Legierungen hergestellt und durch Zieh-, Gieß- und Glühtechniken in die passende Form und Härte gebracht. Diese Halbzeuge werden ebenfalls in hauseigenen Labors auf Faktoren wie die richtige Oberfläche, Härte und passende Metallgefüge geprüft.

Die hergestellten Gold-, Silber-, Platin- und Palladiumbarren werden nach Tagespreis am Spotmarkt verkauft. Mittlerweile werden auch Combi- bzw. Tafelbarren hergestellt, die aus verbundenen 1 Gramm Gold oder Silberbarren bestehen, die über Sollbruchstellen verbunden sind. Diese Tafeln werden in der Größe DIN A8 oder DIN A7 angeboten.