Das Guillochieren und das Ätzen von Münzen

Guillochieren ist das Gravieren mit Hilfe einer Maschine, welche regelmäßige Linien, vornehmlich Kreise, in großer Feinheit eng nebeneinander legt oder auch überschneidet, sodass der Grund völlig überdeckt wird. Diese Technik ist aus der Drechslerei auf Metall übertragen, wo sie im 18. Jahrhundert beliebt wird; im Beginn des 19. Jahrhunderts hat sie vielfach die künstlerische Gravierung verdrängt, besonders für Uhrkapseln, Dosen und ähnliche Gebrauchsgegenstände, an denen glatte Flächen dein Verkratzen ausgesetzt wären.

Das Ätzen tritt an Stelle der Gravierarbeit zur Belebung des Grundes. Die Stellen, welche in der ursprünglichen Höhe des Metalls stehen bleiben sollen, werden mit einer harzigen Masse abgedeckt, auf die übrigen Stellen

Geätzte Randverzierung von einem Humpen
Geätzte Randverzierung von einem Humpen 1850

wirkt das Ätzwasser, welches eine raue Oberfläche hinterlässt, sodass sich das Ornament erhöht und glänzend absetzt. Man kann auch, wie bei einer Radierung, eine Zeichnung in Strichlagen vertieft einätzen, jedoch erreicht diese nicht die Schärfe der mit dem Stichel eingegrabenen Gravierung. Geätzte Arbeit ist im 16. Jahrhundert sehr beliebt. Man ersetzt sie gelegentlich — bei fortlaufenden Borten — durch Einschlagen des Musters mit einem ganz flachen Stempel.

Drahtverzierung, »Filigran« ist eine in der Frühzeit der Kunst und weiterhin in der ländlichen Kunstübung sehr beliebte Form. Die Dehnbarkeit des Goldes und Silbers, welche zu dem Goldblechstil führt, führt auch zu dem Ausziehen des Metalls in feine Drähte, aus welchen durchsichtige Muster gebildet werden, entweder Flechtwerk für Spangen und Ringe oder Flächenverzierung. Wenn für letzteren Zweck die Drähte nicht überschnitten werden sollen, so kommt man naturgemäß zu einem System von Spiralen, welche an ihren Berührungspunkten verlötet werden müssen. Die Drähte können glatt oder auch gezwirnt oder gekörnt sein, die Verbindungspunkte, auch die Enden der Spiralen werden durch kleine Knöpfe bezeichnet. Auch eine wenig entwickelte Kunst kann sich in diesen Formen leicht bewegen. Besonders liebt es das frühe Mittelalter, aufgesetzte Edelsteine durch ein Fadenwerk des Grundes gleichsam zu verbinden. Wenn das Filigran vom Grunde abgelöst und über das Gebiet des Schmuckes hinaus zur Darstellung von Körpern verwendet wird, so übersteigt es leicht seine künstlerische Leistungsfähigkeit und wird zur Spielerei. Infolge der technischen Beschränkung in der Führung der Fäden wiederholen sich die Muster fast gleichartig in ganz verschiedenen Ländern und Zeiten.