Die Renaissance in Italien

Der Beginn des 15. Jahrhunderts bringt für Italien die Wiedergeburt der antiken Kunst. In künstlerischem und zugleich patriotischem Drange sucht man unter Schutt und Trümmern die Überreste der römischen Kultur als Vorbilder für ein neues Schaffen. Was man an den noch zutage stehenden Denkmälern, und bei den Ausgrabungen fand, waren Steinornamente, und zwar monumentaler Art, da man zunächst die am leichtesten erkennbaren Schutthaufen der öffentlichen Bauten und Tempel durch forschte. So erwächst das Renaissance-Ornament aus der strengen Marmorskulptur und sucht sich innerhalb derselben dem antiken Vorbild zu nähern. Dass in diese Bewegung, welche den ganzen Formenkreis der bildenden Künste umgestaltete, die Geräte mit hineingezogen wurden, versteht sich von selbst. Aber für die Geräte-Bildnerei war der Weg zur Antike nicht leicht. Antikes Metallgerät wurde so gut wie gar nicht gefunden, die eigentlich ergiebigen Funde, die von Pompeji, gehören in das 18. Jahrhundert, auch die Grabfunde, welche die griechischen Tonvasen an das Licht brachten, gehören der späteren Zeit an. Im 15. Jahrhundert war man für Geräteformen angewiesen auf die wenigen monumentalen Ziervasen und Kandelaber, welche überdies noch in Trümmern zum Vorschein kamen und höchst willkürlich ergänzt wurden, sodann auf die feierlichen Aschenurnen der Kolumbarien. Gelegentlich kam die Darstellung von Opferkannen und Geräten auf antiken Sarkophag-Reliefs zu Hilfe. Welchen Nutzen die Renaissance aus diesen spärlichen Funden zog, können wir aber auch nicht einmal an ausgeführten Arbeiten verfolgen. Auf kaum irgend einem Gebiet der dekorativen Kunst haben Raub und Kriegsnöte so vollständig aufgeräumt, wie auf dem des italienischen Silber- und Goldgerätes für weltliche Zwecke, und doch wissen wir, dass sich im 15. und 16. Jahrhundert in Italien ein Reichtum an Prachtgeräten ansammelte, wie ihn Deutschland zu keiner Zeit besessen hat.