Beginn der Talerprägung

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts begann in Deutschland eine abermalige Umwandlung des gesamten Münzwesens, hervorgerufen durch die Einführung eines silbernen Großstücks, des Talers. Die ersten derartigen Münzen wurden nicht, wie man früher annahm, von den Grafen Schlick zu Joachimsthal in Böhmen, sondern von dem Erzherzog Sigismund in Tirol geprägt. Sie zeigen auf der Vorderseite den Erzherzog in ganzer Figur, stehend und mit dem Herzogshut bedeckt. In der Rechten hält er das Zepter, während die Linke an den Griff des Schwertes gelegt ist. Im Felde befinden sich ein den österreichischen Schild haltender Löwe und ein Helm. Auf der Rückseite ist ein Turnierritter auf galoppierendem Pferd dargestellt, umgeben von 16 Wappenschilden. Ferner gibt es von Sigismund ähnliche Dicktaler sowie Halbtaler, welche sich von den Ganzstücken in der Hauptsache nur dadurch unterscheiden, dass sie auf der Vorderseite den Erzherzog statt in ganzer Figur, bloß im Brustbild zeigen. Die älteste Jahreszahl, welche auf den in Rede stehenden Talern vorkommt, ist 1486, auf den Dicktalern und Halbtalern 1484, doch ist aus diesem Umstand keineswegs mit Sicherheit zu schließen, dass man genau in dem gedachten Jahre mit der Talerprägung begonnen hat, da, wie bereits früher erwähnt, im fünfzehnten Jahrhundert überhaupt erst der Gebrauch aufkam, die Münzen mit Jahreszahlen zu versehen. Auch vom Erzherzog Maximilian, dem nachmaligen Kaiser Maximilian I. (1493-1519) gibt es schon aus der Zeit, ehe er den Thron bestieg, silberne Großstücke, doch tragen dieselben mehr den Charakter von Denkmünzen und Schaustücken, als wirklichen Geldes. Überhaupt fand die Talerprägung erst zu Anfang des 16. Jahrhunderts weitere Ausbreitung, da zu dieser Zeit teils in Folge Erschließung neuer Silbergruben, teils in Folge erhöhter Ausbeutung bereits vorhandener im sächsischen Erzgebirge eine so große Menge Silber produziert wurde, dass man es in den bisher gangbaren kleinen Stücken nicht mehr zu münzen vermochte. Man nannte die neue Münze, welche 2 Lot schwer und 15 Lot fein und nach dem damaligen Kurs des Goldes dem späteren geringwertigen Goldgulden im Werte völlig gleich war, ursprünglich Gu1dengroschen, weil man bisher keine größeren Silbermünzen, als Groschen kannte. Die Guldengroschen, später auch mit dem Namen Grüld in er bezeichnet, wurden bald in solcher Menge geprägt, dass sie die umlaufenden Goldgulden überwogen. Dies war namentlich der Fall, als die auf der Südseite des Erzgebirges ansässigen Grafen Schlick damit begannen, die aus den reichen JoachimsTaler Bergwerken gewonnene große Silber-Ausbeute zu münzen. Die von ihnen geprägten Stücke waren ebenfalls 2 Lot schwer, doch von etwas weniger feinem Silber, als die bisherigen Guldengroschen, etwa 4 Lot. Sie wurden wegen des geringeren Gehaltes und des damit verbundenen größeren Gewinnes von anderen Münzherren vorzugsweise nach geprägt und erhielten zum Unterschiede von den Guldengroschen nach der Münzstätte Joachimsthal den Namen Joachimstha1er, woraus später die Abkürzung Taler entstand. Die ältesten Joachimstaler , welche im Jahre 1519 geprägt wurden, tragen keine Jahreszahl. Auf der Hauptseite befindet sich mit Bezug auf das Lehnsverhältnis der Grafen Schlick zu den Königen von Böhmen der böhmische, zweischwänzige Löwe. Auf der Rückseite ist der heilige Joachim dargestellt und zu seinen Füssen das gräflich Schlick'sche Wappen. Zu den ältesten Talern gehören ferner die noch ziemlich häufig vorkommenden, von Kurfürst Friedrich dem Weisen in Gemeinschaft mit den Herzögen Georg und Johann geprägten Klappmützen-Taler, so genannt nach der eigentümlichen Kopfbedeckung, welche die im Brustbild auf den Münzen dargestellten beiden Herzöge nach der Mode der damaligen Zeit tragen. Ferner wurden auch von den Herzögen von Württemberg, den Landgrafen von Hessen und anderen Fürsten sowie von verschiedenen Reichsstädten zu der in Rede stehenden Zeit (Ausgang des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts) Taler teils mit, teils ohne Jahreszahl geprägt, doch sind dieselben meist ziemlich selten. Zu den interessantesten alten Städtetalern gehören die Kölner sogenannten Ursulataler, welche auf der einen Seite die Bildnisse der heiligen drei Könige und das Wappen der Stadt tragen. Auf der Rückseite ist die heilige Ursula dargestellt, wie sie, begleitet von ihrem Vater und dem Papst Cyriacus, mit ihren Jungfrauen zu Schiff den Rhein herabfährt nach Köln, wo sie nach der Legende mit ihren Begleiterinnen den Märtyrertod fand. Man bezeichnet die Taler, welche zu der in Rede stehenden Periode geprägt sind, in Bezug auf ihr Alter. Münzliebhaber nennen auch dieselben nach der auf ihnen meist noch vorkommenden Schrift „Mönchsschriftstaler“.

Die Reichsmünzordnung 1551

Im Laufe der Zeit erfuhr der Taler, welcher außer in Halbstücken bald auch in Vierteln sowie im Mehrfachen als Doppeltaler, usw. ausgeprägt wurde, vielfache Wandlungen. Die Guldengroschen oder Guldiner, deren 8 Stück auf die Mark gingen und die, wie bereits oben erwähnt, dem Goldgulden im Wert völlig gleich waren, wurden durch die Reichsmünzordnung von 1551 zu 72 Kreuzern angesetzt. Daneben kam im 16. Jahrhundert der Zählgulden zu 60 Kreuzern, das ist eine Münze, welche den Wert von 60 Kreuzern Scheidemünze repräsentierte, in Gebrauch, während der rheinische Goldgulden allmählich immer mehr verschwand und durch den ungarischen Goldgulden oder Dukaten ersetzt wurde. Der Taler wurde zur gesetzlichen Reichssilbermünze erst im Jahre 1566 erhoben und auf 66 Kreuzer gesetzt, stieg aber später bei der immer zunehmenden Verschlechterung der Scheidemünze weit höher. Dass die Wertbestimmung in den betreffenden Reichsmünzordnungen nach Kreuzern erfolgte, erklärt sich daraus, dass die Kreuzerrechnung inzwischen in Süddeutschland und Österreich allgemein gebräuchlich geworden war. Während indessen im Süden die Rechnung nach Gulden beibehalten wurde, der Wert des Zählguldens aber schwankend war und in Folge der bereits erwähnten Verschlechterung der Scheidemünze immer mehr herab ging, gab man in Norddeutschland diese Zählweise auf und machte den Taler zur Rechnungseinheit, welche längere Zeit unverändert blieb. Man teilte ihn in Groschen und rechnete zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Gegenden je nach dem Gehalt und Gewicht des Groschens deren 20, 21, 24, 25, 30, 32, 36 und 48 auf den gemünzten Taler. Später wurde indessen ebenfalls dazu übergegangen, einer bestimmten unveränderlichen Zahl von Groschen die Bezeichnung Taler beizulegen und es entstand hieraus ein Zähltaler , dessen Wert also von dem veränderlichen Werte der auf denselben gerechneten Groschen abhängig war und sich im gleichen Maße wie die Scheidemünze immer mehr verringerte. Zum Unterschiede von dem Zähltaler erhielt dann der zum gesetzlichen Werte gemünzte Taler die Bezeichnung: Taler („in Gestalt" eines Taler s), Speciesthaler, und es kam vor, dass letzterer in Folge der Verschlechterung der Scheidemünze oft das Drei-, Vier-, sogar das Zehnfache des Zähltaler s galt, indem man statt beispielsweise 24 oder 36 Groschen, welche er ursprünglich enthalten sollte, deren bis 240 beziehungsweise 360 auf den Speciestaler rechnete. Der durch die Reichsmünzordnungen gesetzlich festgestellte Taler, welcher im ganzen Reiche Geltung hatte und deshalb sowie im Gegensatz zu den auf Grund von Separat-Münzverträgen einzelner deutscher Fürsten geprägten Taler n den Namen Reichstaler führte, wurde seit 1623 in Süddeutschland zu 90 Kreuzern oder 1 1/2 Gulden, in Norddeutschland zu 24 Groschen gerechnet. Aus diesem Verhältnis entwickelte sich dann in fast ganz Deutschland der Gebrauch, neben dem Taler vielfach Gulden oder 2/3- Talerstücke zu prägen.